Die Stationen im Referendariat: Vorbereitung & Bewerbung

Bewerben auf eine Station im juristischen Vorbereitungsdienst

Während des Referendariats durchläuft man mehrere unterschiedliche Stationen. Die Wahl der richtigen Ausbildungsstelle bzw. des richtigen Ausbilders ist dabei sehr wichtig.

Warum ist die Wahl des Ausbilders elementar?

Von der richtigen Wahl Deiner Stationsstelle und Deines Ausbilders hängt der Erfolg Deines Referendariats maßgeblich ab. Viele unterschätzen dies leider und sind dann nachher gefrustet, wenn sie sich eine der folgenden Fragen stellen:

  • Die Zivilstation in einem „prickelnden“ Rechtsgebiet wie dem Kapitalmarktrecht?
  • Ein Staatsanwalt, der Dich für ihn schuften lässt, damit er früher nach Hause kann?
  • Du musst quer durch Dein Bundesland für die Sitzungsvertretung fahren?
  • Überstunden in der Anwaltsstation, sodass Du kaum für das Examen lernen kannst?

Das alles muss und sollte nicht sein!

In diesem Artikel möchte ich zunächst kurz die einzelnen Stationen des Referendariats kurz vorstellen und Dir einige Tipps zur Vorbereitung mitgeben.

Anschließend bekommst Du dann Hinweise, wie Du Dich richtig bewirbst, damit Du Deinen Wunschausbilder bekommst.

Wichtiger Tipp vorab

Auch in den staatlichen Stationen sind die beliebten Ausbilder schnell weg. Daher sollte man sich möglichst zeitnah, am besten schon vor Beginn des Referendariats, bewerben!

Bewerbung Station Referendariat

I. Die einzelnen Stationen des Rechtsreferendariats

Im juristischen Referendariat durchläufst Du insgesamt 5 unterschiedliche Stationen. Diese wollen wir uns an dieser Stelle genauer betrachten:

  • Zivilstation
  • StA-Station
  • Verwaltungsstation
  • Anwaltsstation
  • Wahlstation

1. Zivilstation

In der Zivilstation (Zivilgerichtsstation) lernst Du die Arbeitsweise eines Zivilgerichts kennen, meist an einem Amts- oder Landgericht. Du fertigst Entscheidungsentwürfe an und nimmst an Gerichtsverhandlungen teil. Wenn Du Glück hast, darfst Du sogar einmal selbst eine Verhandlung leiten.

Ziel ist es, ein tiefes Verständnis für das Zivilprozessrecht und richterliches Arbeiten zu entwickeln.

Zudem erhältst Du während Deiner Zivilstation Einblicke in den richterlichen Entscheidungsfindungsprozess und die Organisation des Gerichtsbetriebs.

Tipp zur Wahl des richtigen Ausbilders

Sofern man nicht automatisch einem bestimmten Ausbilder zugeteilt wird (das ist in manchen Bundesländern in der Zivilgerichtsstation leider der Fall), sollte man sich einen Bereich suchen, der einen fachlich weiterbringt.

Dazu eignet sich das Amtsgericht oftmals besser als das Landgericht, da Du am Amtsgericht viel mehr Urteile schreibst und auch inhaltlich mehr examensrelevante Bereiche (wie das Mietrecht) behandelt werden.

2. Staatsanwaltsstation

In dieser Station arbeitest Du bei der Staatsanwaltschaft. Du erstellst Anklageschriften, nimmst an Vernehmungen teil und vertrittst die Staatsanwaltschaft teilweise selbstständig vor Gericht (sog. Sitzungsdienst).

Die Station vermittelt praxisnahe Einblicke in Strafverfolgung und Strafprozessrecht. Endlich wird das Strafrecht anschaulicher und Du siehst, dass es nicht nur aus der „Aneinanderreihung“ von Definitionen und Meinungsstreits besteht. Gerade im Strafrecht sind die Unterschiede zwischen Studium und Praxis am offensichtlichsten.

Auch das Verständnis für polizeiliche Ermittlungsarbeit und die Rolle der Staatsanwaltschaft als Herrin des Ermittlungsverfahrens werden geschärft.

Mitunter gibt es auch die Möglichkeit, während der StA-Station einmal eine Justizvollzugsanstalt zu besuchen oder Polizeibeamte auf einer Streifenfahrt zu begleiten.

Tipp zur Wahl des richtigen Ausbilders

Ziehe Staatsanwälte mit allgemeinen Zuständigkeiten denjenigen aus besonderen Abteilungen (z.B. Staatsschutz) vor. In den allgemeinen Abteilungen bearbeitest Du deutlich mehr examensrelevante Fälle.

3. Verwaltungsstation

Die Verwaltungsstation findet bei einer Behörde (z. B. Landratsamt, Gemeinde, Bundesbehörde) oder einem Verwaltungsgericht statt.

Die Referendarinnen und Referendare befassen sich mit öffentlich-rechtlichen Fragestellungen, etwa im Baurecht, Polizeirecht oder Ausländerrecht. Ziel ist es, den Umgang mit Verwaltungsverfahren und behördlicher Entscheidungsfindung zu erlernen.

Ferner lernst Du das Zusammenspiel zwischen Verwaltung und Justiz in verwaltungsrechtlichen Streitigkeiten kennen.

4. Anwaltsstation

In der Anwaltsstation arbeitest Du in einer Anwaltskanzlei und lernst (endlich!) die anwaltliche Perspektive kennen. Du fertigst Schriftsätze an, begleitest Mandantengespräche und bereitest Gerichtstermine vor.

Die Station dient der praktischen Ausbildung in verschiedenen Rechtsgebieten aus Sicht der anwaltlichen Vertretung.

Wichtiger Tipp!

Die Anwaltsstation ist nicht nur die längste Station, sondern liegt auch direkt vor dem zweiten Staatsexamen.

Daher musst Du unbedingt darauf achten, dass Du nicht zu viel arbeitest und zumindest ein paar Monate tauchst, damit Du ausreichend Zeit für die Examensvorbereitung hast.

Lesetipp

Auch zur Vorbereitung auf Dein Assessorexamen haben wir zahlreiche Artikel auf unserem Blog. Die interessantesten verlinke ich Dir an dieser Stelle:

5. Wahlstation

Die Wahlstation bietet Dir die Möglichkeit, ein juristisches Tätigkeitsfeld nach eigener Wahl zu vertiefen – im In- oder Ausland, bei Gerichten, Kanzleien oder Unternehmen. Hier kannst Du gezielt praktische Erfahrungen in einem gewünschten Berufsfeld sammeln.

Die Wahlstation eignet sich besonders zur Vorbereitung auf den Berufseinstieg oder zur Knüpfung erster beruflicher Kontakte.

Die Wahlstation macht oftmals am meisten Spaß, da man sich hier eine Stelle aussuchen kann, die einen wirklich interessiert.

II. Übersicht zu möglichen Einsatzorten und Tipps zur Vorbereitung

 

Station

Tipps zur Vorbereitung

Mögliche Einsatzorte

Zivilstation

– Zivilprozessrecht (ZPO) wiederholen (Klagearten, Beweisaufnahme, Urteilsstil usw.)

– Urteile lesen zum Training

– Übung im Schreiben von Urteilsentwürfen (Tenor, Tatbestand, Entscheidungsgründe)

– Amtsgericht

– Landgericht

– Spezialisierte Zivilkammern (z. B. Familiensachen, Mietrecht)

Staatsanwaltsstation

– Strafrecht BT I/II und Strafprozessrecht (StPO) vertiefen

– Anklagen üben

– Staatsanwaltschaft

Verwaltungsstation

– Allgemeines und besonderes Verwaltungsrecht wiederholen

– Übung im Erstellen von verwaltungsgerichtlichen Urteilen und behördlichen Bescheiden

– Kommunalverwaltung (z. B. Landratsamt)

– Ministerien

– Verwaltungsgerichte

– Bundesbehörden

Anwaltsstation

– Zivilrecht & Zwangsvollstreckung wiederholen

– Berufsrecht & Mandatsführung lernen

– Kanzleien (klein bis Großkanzlei)

– Unternehmensjuristen (teils als Wahlstation)

Wahlstation

– Strategische Auswahl treffen

– Frühzeitig bewerben, v. a. bei internationalen Stellen

– Fachgebietspezifisch vorbereiten

– Internationale Organisationen (UN, EU, ECHR usw.) und Botschaften

– Kanzleien

– Unternehmen

– NGOs/Stiftungen

 

III. Bewerbungsablauf für eine Station im juristischen Referendariat

Im Folgenden möchte ich Dir die verschiedenen Stadien einer erfolgreichen Bewerbung auf eine Referendariatsstelle näherbringen.

1. Informationen sammeln

Informiere Dich frühzeitig über die konkreten Anforderungen und Fristen der Station, für die Du Dich bewerben möchtest. Achte dabei insbesondere auf spezielle Voraussetzungen, Ansprechpartner und die jeweiligen Bewerbungswege. Heutzutage ist das zum Glück nicht weiter schwer, da man in der Regel einfach im Internet nachschauen kann.

Sehr beliebte Stellen, z.B. das Auswärtige Amt in Berlin bzw. eine deutsche Botschaft im Ausland, haben einen langen Vorlauf. Man muss sich also schon direkt zu oder noch vor Beginn des Referendariats bewerben.

2. Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Anschreiben usw.) zusammenstellen

In der Regel benötigst Du ein aussagekräftiges Anschreiben, einen tabellarischen Lebenslauf, das Zeugnis des 1. Examens und ggf. Nachweise über relevante Kenntnisse (Sprachkenntnisse, Zusatzausbildungen, LL.M. usw.) oder bisherige Tätigkeiten (z. B. Praktika, wissenschaftliche Mitarbeit).

Stelle sicher, dass alle Deine Unterlagen vollständig, übersichtlich und formal korrekt sind. Manche Stellen (v.a. Großkanzleien) sind sehr pingelig, was die Form angeht.

Hinweis

In den beiden ersten Stationen (Zivilgericht, StA) wird mitunter auf eine förmliche Bewerbung verzichtet. Da reicht es mitunter schon aus, einmal mit einem möglichen Ausbilder zu telefonieren.

3. Bewerbung einreichen

Reiche Deine Bewerbung entweder postalisch oder online ein – je nachdem, was die jeweilige Stelle vorgibt. Heutzutage ist das zum Glück meistens unproblematisch online möglich (aber es gibt leider noch immer Ausnahmen).

Achte dabei unbedingt auf die Bewerbungsfristen, da viele Ausbildungsstellen eine frühzeitige Bewerbung erwarten. Die beliebten sind ohnehin schnell weg. Daher solltest Du Dich schon zu Beginn des Refs auf Deine Verwaltungsstation bewerben.

4. Nachfragen

Wenn Du nach angemessener Zeit (im öffentlichen Dienst oftmals mehrere Wochen) keine Rückmeldung erhältst, kannst Du höflich bei der jeweiligen Stelle nachfragen, wie der aktuelle Stand ist. Das zeigt Dein Interesse und hilft Dir bei der weiteren Planung.

5. Vorstellungsgespräch

Wenn Deine Bewerbung überzeugt hat, wirst Du meistens zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen. Das gilt insbesondere für die Anwalts- und die Wahlstation. In den ersten 3 Stationen wird von vielen Ausbildern auch auf ein förmliches Vorstellungsgespräch verzichtet. Da reichen häufig eine schriftliche Bewerbung und ein kurzes Telefonat aus.

Heutzutage kann ein Vorstellungsgespräch auch per Zoom stattfinden. Sofern das der Fall ist, nutze einen virtuellen Hintergrund oder achte darauf, dass Du einen seriösen Hintergrund hast. Es macht keinen guten Eindruck, wenn der zukünftige Ausbilder z.B. Deine Hanfpflanze im Hintergrund sieht.

Bereite Dich auf typische Fragen zu Deinem Lebenslauf, Deiner Motivation und Deinem Interesse an der jeweiligen Ausbildungsstelle vor:

  • Warum haben Sie sich für uns entschieden?
  • Was interessiert Sie an dem Bereich des Rechts?
  • Welche praktischen Erfahrungen konnten Sie bereits sammeln?
  • Wie gehen Sie mit stressigen Situationen um?

Tipp: Ein interessantes Interview mit mir zum juristischen Vorstellungsgespräch findest Du auf unserem YouTube-Kanal.

Bewerbung Station Referendariat

IV. Passe Deine Bewerbung an die Anforderungen der Stelle an

Bitte lies die Stellenausschreibung aufmerksam durch und achte darauf, dass Deine Bewerbung spezifisch auf die Anforderungen der jeweiligen Stelle zugeschnitten ist. Verwende zum Beispiel ähnliche Worte oder Formulierungen wie in der Ausschreibung, um zu zeigen, dass Du die Anforderungen der Stelle verstanden hast.

Betone Deine Erfahrungen und Fähigkeiten, die für die Stelle relevant sind, um Deinen zukünftigen Ausbilder von Dir zu überzeugen.

Verfasse ein überzeugendes Anschreiben

Ein überzeugendes Anschreiben ist der Schlüssel, um Ausbildern zu zeigen, warum Du der ideale Kandidat für die Stelle bist. Vermeide es, ein allgemeines Anschreiben zu verwenden, das Du an mehrere Arbeitgeber (bzw. Stationsausbilder) sendest. Stattdessen solltest Du in Deinem Anschreiben Deine Motivation für die jeweilige Stelle erklären.

V. Betone Deine Fähigkeiten und Erfahrungen

Dein Lebenslauf und Dein Anschreiben sollten Deine Fähigkeiten und Erfahrungen betonen, die für die jeweilige Stelle relevant sind.

Du kannst Dein fachliches Wissen, Deine Fähigkeit, komplexe juristische Probleme zu lösen, sowie Deine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit bisherigen Kollegen und Mandanten umfassen.

VI. Sei präzise und klar in Deiner Sprache

Es ist wichtig, in Deiner Bewerbung eine klare und präzise Sprache zu verwenden. Vermeide zu komplizierte Formulierungen.

Verwende stattdessen eine klare und verständliche Sprache, um Deine Fähigkeiten und Erfahrungen präzise zu beschreiben.

VII. Betone Deine Soft Skills

Neben Deinen juristischen Fähigkeiten sind auch Soft Skills wichtig bei Deiner Bewerbung für eine Referendariatsstelle. Soft Skills sind Fähigkeiten wie Kommunikation, Zusammenarbeit, Entscheidungsfindung und Problemlösung.

Betone in Deiner Bewerbung, wie diese Fähigkeiten Dir dabei helfen, ein guter Teamplayer und erfolgreich in der Zusammenarbeit mit Kollegen zu sein. Zeige, dass Du über ein breites Spektrum an Fähigkeiten verfügst, die für die Stelle als Referendarin bzw. Referendar vorteilhaft sein werden.

VIII. Fazit: Erfolgreiche Bewerbung und Wahl der richtigen Referendariatsstation

Die Wahl der richtigen Station im juristischen Referendariat ist ein wichtiger Schritt, der Deine praktische Ausbildung entscheidend prägt und Dir auch später einen erfolgreichen Einstieg in den Beruf ermöglicht. Überlasse hier nichts dem Zufall!

Jede Station (Zivil-, Staatsanwalts-, Verwaltungs-, Anwalts- und Wahlstation) bietet Dir eigene Einblicke in verschiedene Rechtsgebiete und hilft Dir, Deine juristischen Fähigkeiten weiter auszubauen.

Es ist wichtig, dass Du Dich frühzeitig und gut auf Deine Bewerbung vorbereitest, um die gewünschte Station zu bekommen. Achte darauf, dass Du Deine Bewerbung individuell auf die jeweilige Station zuschneidest und Deine persönlichen Interessen sowie Erfahrungen betonst. Neben den formellen Bewerbungsunterlagen ist es besonders entscheidend, Deine Motivation und Stärken klar und präzise darzustellen.

Wenn Du Dich gut vorbereitest und das richtige Timing wählst, erhöhst Du Deine Chancen, die perfekte Station zu bekommen und eine tolle Referendariatszeit zu erleben.

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RA Mario Kraatz

Gründer und Geschäftsführer der Kraatz Group

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