- 26. Oktober 2026
- Posted by: Mario Kraatz
- Categories: 1. Examensvorbereitung, Tipps fürs Studium
Zwei Klausuren, dieselbe Lösung – und trotzdem drei Punkte Unterschied. Wie kann das sein? Die Antwort steckt oft in der Sprache. Korrektor:innen bewerten nicht nur, was du weißt, sondern auch, wie du es aufschreibst. Unklare Obersätze, Floskeln oder ein verstecktes „da“ kosten Punkte, präzise Formulierungen in der Jura Klausur bringen sie. In diesem Beitrag zeigen wir dir die wichtigsten Dos und Don’ts für das Gutachten im Ersten Staatsexamen – mit Beispielen und einem Spickzettel zum Mitnehmen.

Warum Formulierungen in der Klausur über Punkte entscheiden
Im Jura Examen zählt jeder Punkt: 2024 fielen bundesweit 27,4 % der Kandidat:innen in der staatlichen Pflichtfachprüfung durch, nur knapp ein Fünftel schaffte ein Prädikat (LTO: Statistik 2024 zum Ersten Staatsexamen).
Korrektor:innen lesen in kurzer Zeit viele Klausuren. Bewertet wird, was auf dem Papier steht – Wissen, das sprachlich nicht ankommt, zählt nicht (Hageböke/Ruholl, ZJS 5/2022: Die zivilrechtliche Klausur). Gute Formulierungen leisten drei Dinge:
- Sie führen: Der Korrektor erkennt sofort, was du prüfst und wohin du willst.
- Sie überzeugen: Präzise Begriffe und echte Argumente zeigen juristisches Verständnis.
- Sie sparen Zeit: Wer knapp und klar formuliert, hat mehr Raum für die Schwerpunkte.
Dos: 8 Formulierungsregeln, die in der Jura Klausur überzeugen
1. Obersätze konkret und im Konjunktiv formulieren
Der Obersatz nennt, wer was von wem woraus verlangen könnte – oder wer sich wodurch strafbar gemacht haben könnte.
Do: „A könnte gegen B einen Anspruch auf Zahlung des Kaufpreises in Höhe von 500 € aus § 433 Abs. 2 BGB haben.“
Do (Strafrecht): „Indem A das Parfüm in seine Jackentasche steckte, könnte er sich wegen Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 StGB strafbar gemacht haben.“
2. Normen präzise zitieren
Gib immer Absatz, Satz und ggf. Alternative oder Nummer an – also „§ 280 Abs. 1 S. 1 BGB“ statt „§ 280 BGB“ (Uni Bielefeld: Klausurtechnikseminar – Fehlerquellen).
3. Nah am Gesetzeswortlaut bleiben
Das Gesetz ist dein bester Formulierungshelfer. Wer die Tatbestandsmerkmale im Wortlaut aufgreift, zeigt Normverständnis und macht es der Korrektur leicht.
4. Fachbegriffe exakt verwenden
Juristische Begriffe sind keine Synonyme. „Vertretenmüssen“ ist nicht „Verschulden“, „Besitz“ nicht „Eigentum“, und der Erbe beerbt den Erblasser – nicht umgekehrt.
5. Subsumieren statt nacherzählen
Greife die Merkmale der Definition auf und ordne den Sachverhalt ausdrücklich zu.
Do: „Wegnahme ist der Bruch fremden und die Begründung neuen Gewahrsams. Mit dem Einstecken in die Jacke brachte A das Parfüm in seine Gewahrsamsenklave und begründete so neuen Gewahrsam.“
6. Argumente statt Namen
Entwickle Argumente aus Wortlaut, Systematik, Entstehungsgeschichte sowie Sinn und Zweck. Die Zuordnung zu einer Ansicht oder zur Rechtsprechung kann in Klammern folgen.
7. Kurze, klare Sätze
Ein Gedanke pro Satz. Vermeide Schachtelsätze und überladene Nominalstil-Konstruktionen.
8. Klare Ergebnisse
Jeder Prüfungspunkt endet mit einem eindeutigen Ergebnissatz im Indikativ: „A hat das Parfüm weggenommen.“
Praxis-Tipp: Ob deine Formulierungen sitzen, siehst du am besten an einer ehrlichen Korrektur. Im Klausurenkurs der Kraatz Group bekommst du zu jeder Klausur eine Videokorrektur, die laut Anbieter auch zeigt, wie du einzelne Passagen besser formulierst.
Don’ts: 8 Formulierungen, die in der Klausur Punkte kosten

Achtung bei „da“, „weil“ und „denn“: Diese Wörter sind nicht verboten, aber sie sind ein Warnsignal. Prüfe, ob du gerade ein Ergebnis vor seiner Begründung behauptest (Bonner Rechtsjournal: Häufige Fehlerquellen im Strafrecht).
Formulierungen für Meinungsstreit, Ergebnis und Überleitungen
Den Meinungsstreit sauber darstellen
Ein Streit gehört nur in die Klausur, wenn er sich aus dem Fall ergibt und das Ergebnis davon abhängt (Uni Göttingen: Leitfaden zum Anfertigen von Klausuren). Dann hilft eine klare Struktur:
- Problem benennen: „Fraglich ist, ob [Problem des Falls].“
- Ansicht 1 mit Ergebnis: „Teilweise wird vertreten, … Danach wäre das Merkmal nicht erfüllt.“
- Ansicht 2 mit Ergebnis: „Nach anderer Ansicht … Danach wäre das Merkmal erfüllt.“
- Streitentscheid nur bei unterschiedlichen Ergebnissen: „Die Ansichten kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, sodass ein Streitentscheid erforderlich ist.“
- Stellungnahme mit Argumenten: „Für die zweite Ansicht spricht, dass … Zudem … Daher ist der zweiten Ansicht zu folgen.“
Kommen alle Ansichten zum selben Ergebnis, reicht: „Alle Ansichten gelangen hier zum selben Ergebnis, sodass ein Streitentscheid entbehrlich ist.“
Ergebnisse und Zwischenergebnisse
- „Somit ist der objektive Tatbestand erfüllt.“
- „Mithin liegt eine wirksame Willenserklärung vor.“
- „A hat sich folglich wegen Diebstahls gemäß § 242 Abs. 1 StGB strafbar gemacht.“
Überleitungen, die führen
- „Weiterhin müsste …“
- „Darüber hinaus ist erforderlich, dass …“
- „Der Anspruch könnte jedoch gemäß § … untergegangen sein.“
- „Zu prüfen bleibt, ob …“
Spickzettel: Formulierungsbausteine für das Gutachten

Formulierungen trainieren: Die Klausurenkurse der Kraatz Group
Gute Formulierungen entstehen nicht beim Lesen, sondern beim Schreiben – und vor allem durch Feedback. Genau hier setzt der Klausurenkurs der Kraatz Group an: ein digitaler Kurs, den du flexibel neben Uni, Repetitorium oder Job nutzen kannst.
So funktioniert der Klausurenkurs:
- Klausur anfordern: Du wählst Rechtsgebiet (Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht) und Studienphase – auf Wunsch sogar ein Teilgebiet oder einen Problemschwerpunkt, etwa Stellvertretung im BGB AT.
- Klausur schreiben: Handschriftlich oder am Computer, zu einem Zeitpunkt deiner Wahl. Hochgeladen wird digital als Word- oder PDF-Datei.
- Korrektur erhalten: Laut Kraatz Group innerhalb von zwei Werktagen bekommst du ein persönliches Korrekturvideo, eine Lösungsskizze in Reinschrift im Gutachtenstil, ein Punkteschema mit Zielpunkten je Prüfungsabschnitt und Anmerkungen direkt in deiner Bearbeitung.
Warum das für deine Formulierungen so wertvoll ist:
- Videokorrektur durch Fachdozent:innen: Sie erklären Fehler, Schwerpunktsetzung und Taktik – und zeigen, wie du Passagen besser formulierst.
- Musterlösung im Gutachtenstil: Du siehst direkt, wie Obersätze, Subsumtion und Ergebnisse in Examensqualität aussehen.
- Punkteschema: Du erkennst, wo genau dir Punkte fehlen.
- Dashboard: Deine Ergebnisse je Rechtsgebiet auf einen Blick.
- Masterclass: Videolektionen von RA Mario Kraatz u. a. zu Obersatz, Subsumtion und Zeiteinteilung.
- Examens-Crashkurs: Auf Wunsch Klausuren ohne vorher bekannten Schwerpunkt – für den echten Überraschungseffekt.
Die Klausuren gibt es in Paketen ab fünf Korrekturen, ein Abo ist nicht nötig. Der Kurs ist als Ergänzung zu jedem Repetitorium gedacht.
Du willst noch intensiver betreut werden? Im Jura Einzelunterricht oder in der Elite-Kleingruppe ist das Klausurtraining fester Bestandteil der Examensvorbereitung – mit persönlicher Besprechung durch deine Dozent:innen.
FAQ: Häufige Fragen zu Formulierungen in der Jura Klausur
Darf ich „da“ und „weil“ in der Klausur verwenden?
Ja, aber mit Vorsicht. Problematisch sind die Wörter, wenn sie ein Ergebnis vor seiner Begründung einleiten – das ist Urteilsstil. Innerhalb einer Subsumtion sind sie zulässig, viele Korrektor:innen reagieren aber empfindlich. Im Zweifel „indem“ oder einen neuen Satz wählen.
Wann schreibe ich „Fraglich ist“?
Nur, wenn wirklich ein Problem vorliegt. Bei unproblematischen Merkmalen genügt ein knapper Satz im Feststellungsstil oder ein einfacher Konjunktiv.
Darf ich in der Klausur in der Ich-Form schreiben?
Im juristischen Gutachten ist die Ich-Form unüblich. Formuliere sachlich: „Dafür spricht …“ oder „Daher ist der zweiten Ansicht zu folgen.“
Muss ich Meinungen namentlich zuordnen?
Nein. Entscheidend sind die Argumente. Die Zuordnung zu Rechtsprechung oder Literatur kann knapp in Klammern erfolgen, ist aber nicht notwendig.
Wie verbessere ich meinen Schreibstil am schnellsten?
Durch regelmäßiges Klausurschreiben mit ausführlicher Korrektur. Besonders effektiv sind Korrekturen, die konkrete Formulierungsalternativen zeigen – etwa per Videokorrektur im Klausurenkurs.
Fazit: Präzise Sprache ist Punktesprache
Die richtigen Formulierungen in der Jura Klausur sind kein Feinschliff, sondern Teil der juristischen Leistung. Wer konkrete Obersätze bildet, Normen genau zitiert, echte Argumente statt Floskeln liefert und klare Ergebnisse zieht, überzeugt Korrektor:innen – und holt aus demselben Wissen mehr Punkte heraus. Mit den Bausteinen aus diesem Beitrag hast du das Handwerkszeug. Jetzt fehlt nur noch die Übung.
Bereit, deine Formulierungen auf Examensniveau zu bringen? Fordere deine erste Klausur im Klausurenkurs der Kraatz Group an und erhalte eine persönliche Videokorrektur mit konkreten Formulierungstipps. Oder lass dich in einer kostenlosen Beratung zum passenden Format beraten.
Auch interessant:
Wir hoffen, Dir für Dein Studium oder Dein Referendariat hilfreiche Inhalte (Content) bereitgestellt zu haben. Wenn auch Du Dir auf dem Weg hin zum 1. Staatsexamen und dem 2. Staatsexamen den entscheidenden “Kick” nach vorne geben möchtest, informiere Dich hier gerne weiterführend über unsere Angebote.
1. Staatsexamen
Neu: Elite-Kleingruppenkurse
Grund- und Hauptstudium
2. Staatsexamen
Du wünschst weitere Informationen oder hast Fragen? Kontaktiere uns jederzeit.