Jura Klausuren im Studium erfolgreich schreiben!

Wie läuft eine juristische Klausur ab? Wie erziele ich eine gute Note?

Diese beiden elementaren Fragen möchte ich Dir im heutigen Artikel beantworten.

Das Schreiben einer Juraklausur mag für viele Studierende zunächst eine Herausforderung darstellen. Sie unterscheidet sich nämlich in vielerlei Hinsicht von Klausuren aus anderen Bereichen – vor allem von denjenigen, die Du aus der Schule kennst.

Das gilt gerade für die Erstsemester und Studierende im Grundstudium. Aber selbst in der Examensvorbereitung und sogar im Referendariat unterlaufen zahlreichen Studenten und Referendaren noch grundlegende Fehler. Diese zu vermeiden – darum soll es im heutigen Artikel gehen.

Die Jura Klausur ist kein Hexenwerk!

Wenn Du einmal begriffen hast, wie eine solche Klausur abläuft (wie sie also aufgebaut wird) und was zu beachten ist, kannst Du ruhiger an die Klausur herangehen. Dabei kommt es nämlich nicht nur auf den Inhalt, sondern auch auf Form, Struktur und juristischen Stil an.

Hinweis: Alle nachfolgenden Erläuterungen und Tipps gelten sowohl für die Klausuren während des Studiums als auch für die Examensvorbereitung und das Examen. Da zahlreiche unserer Dozenten selbst über Prüfererfahrung verfügen, wissen wir genau, worauf es ankommt, um eine Prädikatsklausur zu schreiben.

Was behandeln wir in diesem Artikel?

Dieser Blogartikel beginnt mit dem Tag vor der Klausur sowie dem Ankommen am Prüfungsort. Denn eins ist sicher: Vorbereitung ist die halbe Miete!

Sodann geht es um das Schreiben der Falllösung, also des Gutachtens. Hier gebe ich Euch dann praktische, inhaltliche Ratschläge zu bedeutsamen Themen wie Gutachtenstil und Schwerpunktsetzung.

Jura Klausuren im Studium erfolgreich schreiben!

I. Der Tag vor der Klausur im Jurastudium oder Staatsexamen

„Vorbereitung ist die halbe Miete!“

Das Prädikat wird nicht erst während der Bearbeitungszeit, sondern schon vorher gewonnen. Dass ein vergessenes Gesetz schnell zum Durchfallen führt, versteht sich von selbst. Aber eine gute Vorbereitung beruhigt auch die Nerven – ein nicht zu unterschätzender Faktor. Insbesondere bei Prüfungsangst ist das enorm wichtig.

Daher möchte ich Dir ein paar wichtige Hinweise zur Vorbereitung kurz vor der Klausur mitgeben, bevor ich dann ausführlich auf deren Bearbeitung eingehe.

1. Was sollte ich am Tag vor meiner Klausur machen?

Wichtig ist es daher zunächst, dass Du Dich schon am Tag vor der Klausur gut auf den Tag der Prüfung vorbereitest.

Dabei ist nicht nur Dein mentaler Zustand wichtig, sondern Du solltest auch alle wichtigen Materialien (mehrere Stifte, Wasser, Snacks usw.) und alle zulässigen (!) Hilfsmittel, d.h. also Deine Gesetzestexte, eingepackt haben. Das mag sich trivial anhören, aber nur zu oft haben Studenten im Stress morgens vor der Klausur z.B. den falschen Gesetzestext eingepackt oder Schreibutensilien vergessen.

Außerdem solltest Du darauf achten, die erforderlichen Ausweise (Perso und/oder Studierendenausweis) mitzunehmen.

Zum Schluss solltest Du noch einmal sichergehen, dass Du weißt, wo der Prüfungsort liegt und in welchem Raum die Aufsichtsarbeit erfolgt.

2. Welche Gesetzestexte sollte ich mitnehmen?

Du solltest sämtliche zugelassene Gesetzestexte mitnehmen. Nicht nur diejenige des Rechtsgebiets, aus dem Deine Klausur stammt.

a) Beispiel Strafrecht

Auch wenn Du eine Klausur z.B. im Strafrecht schreibst, solltest Du Dein BGB mitnehmen (sofern dieses nicht als zulässiges Hilfsmittel ausgeschlossen wird). Gerade bei den Vermögensdelikten sind häufig zivilrechtliche Übereignungstatbestände (v.a. §§ 929 ff. BGB) zu prüfen. Auch im Rahmen der Rechtswidrigkeit können Normen aus dem BGB – wie § 228 BGB (Defensivnotstand) oder § 904 BGB (Aggressivnotstand) – abgefragt werden.

Lesetipp: Die zivilrechtlichen Notstände im Strafrecht

b) Beispiel öffentliches Recht

Gleiches gilt im öffentlichen Recht. Ich denke hier nur an das Staatshaftungsrecht. Der Amtshaftungsanspruch findet seine Grundlage in Art. 34 S. 1 GG i.V.m. § 839 BGB.

c) Beispiel Zivilrecht

Denken wir nur an einen Anspruch aus § 823 Abs. 2 BGB i.V.m. einem Schutzgesetz. Hier kommen häufig strafrechtliche Normen, wie ein Betrug gem. § 263 Abs. 1 StGB, zur Anwendung.

II. Wie verhalte ich mich am Prüfungsort?

Am Tag der Prüfung solltest Du Dir genügend Zeit für den Weg einplanen. Gerade in Großstädten kann immer mal „etwas dazwischenkommen“. Wir Berliner können von einem sagenhaft unpünktlichen öffentlichen Nahverkehr ein Liedchen singen. Es gibt nichts Schlimmeres als die Durchsage „Weichenstörung“ oder „Notarzteinsatz“, wenn man sich auf dem Weg zur Klausur befindet. Nimm im Zweifel also lieber eine (oder zwei) Bahnen früher.

Am Prüfungsort angekommen, solltest Du rechtzeitig Platz nehmen. Packe in Ruhe Deine Sachen auf dem Tisch vor Dir aus. Am Prüfungsplatz selbst sind unzulässige Hilfsmittel oder gar ein Handy verboten. Checke noch einmal, dass Du derartige Gegenstände sicher in Deinem Rucksack verpackt hast.

Bei aller Aufregung nimm bitte Rücksicht auf Deine Kommilitonen, die auch nervös sind. Also unterhalte Dich nicht lautstark im Prüfungsraum und versuche auch ansonsten, Krach zu vermeiden.

III. Wie lese ich den Sachverhalt richtig? Worauf sollte ich achten?

Nachdem die Klausur beginnt, musst Du als Erstes den Sachverhalt lesen.

1. Nur die gestellte Frage beantworten!

Das Wichtigste vorab: Du darfst nur die vom Klausurersteller gestellte Frage beantworten und sonst keine. Der Sachverhalt ist unabänderlich. Leider ist es ein häufiger und schwerwiegender Fehler, dass Bearbeiter Dinge prüfen, die nicht gefragt sind.

2. Warum solltest Du zuerst den Bearbeitervermerk lesen?

Sobald die Klausurzeit begonnen hat, sollte man sich zunächst die Fragestellung (und den Bearbeitervermerk) anschauen, um beim Lesen des Sachverhalts auf das Wesentliche zu achten.

Wenn z.B. nur nach der Strafbarkeit einer einzelnen Person gefragt ist, wäre es ein grober Fehler, sämtliche im Sachverhalt genannte Personen zu prüfen. Daher ist es wichtig, zuerst die Fallfrage zu lesen, um dann den Sachverhalt gezielter zu erfassen.

2. Warum solltest Du den Sachverhalt mehrmals lesen?

Es bietet sich an, danach den Sachverhalt zumindest zweimal durchzulesen und sogleich Randnotizen zu notieren, wenn einem sofort etwas ins Auge springt, z.B. die relevanten Normen und Tatbestände gleich an die Seite schreiben. Auch sollten wichtige Passagen markiert werden. Auch unproblematische Stellen können z.B. mit einer anderen Farbe unterstrichen werden.

Durch das zweite Lesen sollten dann Verständnisfehler vermieden werden. Oft kommt es nämlich vor, dass man ein kleines Wörtchen wie „nicht“ überliest und dem Sachverhalt eine komplett andere Bedeutung zukommt.

Tipp: Schreibe Dir gleich die relevanten Normen an den Rand, damit Du diese nicht in Deiner Reinschrift vergisst. Denn eins ist sicher – Prüfer erwarten von Dir, dass Du stets am Gesetz arbeitest.

3. Worauf solltest Du beim Lesen des Sachverhalts vor allem achten?

Interpretiere nichts in den Sachverhalt hinein, was dort nicht steht! Der Sachverhalt ist quasi „gottgegeben“.

4. Sind sämtliche Informationen im Sachverhalt relevant?

JA! Ein sehr weit verbreiteter und vermeidbarer Fehler ist es, den Sachverhalt später nicht vollständig zu subsumieren. Da werden dann ganze Passagen in der Falllösung ignoriert.

Du kannst im Studium und 1. Examen aber davon ausgehen, dass über 95 % der Informationen im Sachverhalt später in Deiner Klausurlösung relevant sind.

IV. Die Lösungsskizze

Wenn Du alles Wesentliche des Sachverhalts erfasst hast, solltest Du mit der Lösungsskizze (Gliederung) beginnen.

Je nach Klausursituation können auch ein Zeitstrahl oder eine Personenskizze sinnvoll sein.

1. Warum ist es notwendig, eine Lösungsskizze zu erstellen?

Wer ohne den Lösungsweg durchdrungen zu haben, losschreibt, der läuft Gefahr, falsche Schwerpunkte zu setzen. Auch besteht die Gefahr, insbesondere gegen Ende der Klausurzeit, wenn der Kugelschreiber „raucht“, Dinge zu vergessen. Daher ist es dringendst empfohlen, zuerst eine Lösungsskizze zu erstellen.

2. Wie viel Bearbeitungszeit solltest Du auf die Lösungsskizze verwenden?

Die Lösungsskizze sollte nicht mehr Zeit in Anspruch nehmen als 25 % der Bearbeitungszeit. Anschließend hast Du dann nämlich genug Zeit für die Reinschrift der Klausur.

3. Wann ist ein Zeitstrahl sinnvoll?

Wenn der Sachverhalt viele Daten und Handlungsabschnitte und/oder Fristen enthält, bringt ein Zeitstrahl Ordnung ins zeitliche Dickicht. 

Die chronologische Ordnung ist wichtig, damit Du später beim Schreiben des Gutachtens nicht mit den jeweiligen Daten durcheinanderkommst.

4. Wann ist eine Personenskizze sinnvoll?

Wenn mehr als zwei Personen rechtliche Beziehungen zueinander unterhalten, ist es sinnvoll, diese anhand einer Personenskizze zu ordnen. Dies gilt insbesondere bei den Mehrpersonenverhältnissen im Zivilrecht und hier vor allem im Mobiliarsachenrecht und im Bereicherungsrecht.

Beispiel für eine Personenskizze

Beispiel Skizze Gutachten

V. Das Gutachten – die eigentliche Klausurleistung

Widmen wir uns nun dem Gutachten, das Deine eigentliche Klausurleistung darstellt.

1. Anspruchsgrundlagen finden & Klausurtechnik

a) Warum ist es elementar, die richtige Anspruchsgrundlage zu finden?

Absolut wichtig ist es, die richtigen Anspruchsgrundlagen (bzw. auch Ermächtigungsgrundlagen im öffentlichen Recht oder Straftatbestände im Strafrecht) zu finden.

Sodann musst Du die einzelnen Anspruchsgrundlagen anhand ihres jeweiligen Prüfungsschemas sauber durcharbeiten. Die Schemata sollten von Dir möglichst sicher beherrscht werden. Wer seine Arbeit nämlich gut und nachvollziehbar strukturiert und keine Prüfungspunkte vergisst, der punktet schon beim Korrektor. Eine gute Struktur kann zudem den Eindruck erwecken, dass man alle zentralen Probleme erkannt hat.

Prüfst Du die falsche Anspruchsgrundlage, biegst also falsch ab, wird Deine Klausur häufig unter dem Strich langen.

b) Wie löse ich Probleme klausurtaktisch?

Bei Streitständen solltest Du klausurtaktisch der herrschenden Meinung folgen, da Du in der Regel nur so zum Folgeproblem kommst. Bearbeiter, die sich für eine Mindermeinung entscheiden, erfassen selten den gesamten Gehalt einer juristischen Klausur.

Anders als im echten Leben lautet die Devise also: Probleme schaffen, nicht wegschaffen.

Da dieser Grundsatz extrem wichtig ist, werde ich bei der Frage, wie Du eine rechtliche Problematik am Gesetz herausarbeitest, noch einmal darauf zurückkommen (siehe unten).

2. Wie arbeite ich am Gesetz?

Hast Du die richtigen Anspruchs- oder Ermächtigungsgrundlagen bzw. Straftatbestände identifiziert, musst Du diese nun sauber schematisch prüfen. Zu einer guten Prüfung des Schemas gehören zunächst präzise Obersätze unter Einbeziehung der betreffenden Normen, die die Prüfung einleiten.

Sodann musst Du das jeweilige Prüfungsschema sauber nacheinander abarbeiten. Deine Prüfer möchten hierbei keine auswendig gelernten Argumente sehen. Vielmehr will jeder Korrektor sehen, dass Du juristisch arbeiten kannst. Denn das erste Staatsexamen ist keine Wissensprüfung, sondern eine Verständnisprüfung.

a) Was bedeutet juristisches Arbeiten?

Juristisches Arbeiten heißt, dass Du eine vertretbare Lösung am Gesetz entlang entwickelst und dabei Deinen juristischen Handwerkskoffer nutzt. Kurz gesagt: Du musst die Probleme der Klausur mit Normbezug (ich sage immer: Deine Klausur muss aussehen wie ein Vorschriftenfriedhof) lösen. Sofern Du ein Problem oder einen Meinungsstreit vertieft diskutierst, wird von Dir eine vertretbare Lösung erwartet.

b) Was heißt vertretbare Lösung?

Vertretbar heißt, dass Du eine methodisch korrekte Lösung mit nachvollziehbaren juristischen Argumenten entwickelst.

Ausgangspunkt ist hierbei stets das Gesetz, das Du anhand der gängigen Auslegungsmethoden (Wortlaut, Systematik, Sinn und Zweck, historische Auslegung; verfassungskonforme und europarechtskonforme Auslegung) lösen musst.

c) Ist nur die Musterlösung richtig?

Nein. Wie zuvor erwähnt, wird von Dir nur eine vertretbare Lösung gefordert. Diese muss nicht zwangsläufig der Musterlösung entsprechen.

d) Sollte man dennoch der Musterlösung folgen?

Definitiv. Die Musterlösung entspricht in der Regel der herrschenden Meinung. Die gängigen Klausuren sind so aufgebaut, dass Du nur dann zum Folgeproblem kommst, wenn Du der herrschenden Meinung folgst.

In Klausuren gilt in diesem Sinne der Grundsatz: „Probleme schaffen, nicht wegschaffen“.

In einem Gutachten sind sämtliche möglicherweise problematischen Gesichtspunkte anzusprechen. Lediglich fernliegende Gesichtspunkte sind nicht anzusprechen.

e) Welche Gesichtspunkte sind fernliegend?

Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Um ein Gespür dafür zu bekommen, welche Probleme zentral für einen Fall sind und welche Gesichtspunkte nicht, musst Du in Deiner Klausurvorbereitung möglichst viele Übungsklausuren schreiben. 

Mit theorielastigen Lehrbüchern wirst Du die Klausurtaktik kaum erlernen. Setze für Deine Klausurvorbereitung also lieber auf klausurorientierte Skripte und Übungsklausuren.

f) Sollte ich bei Meinungsstreits schlicht auswendig gelernte Argumente herunterschreiben?

Nein! Deine Prüfer erwarten, dass Du Meinungsstreitigkeiten mithilfe Deines juristischen Werkzeugkastens löst. Das wird nicht nur im Jurastudium und der ersten juristischen Staatsprüfung, sondern auch noch im Referendariat und zweiten Staatsexamen erwartet. Auch dort solltest Du nicht einfach methodisch ungeordnet etwas aus dem Kommentar herausschreiben.

Beispielhaft sei hier folgende Aussage aus dem offiziellen Skript der Referendarsabteilung des Kammergerichts Berlin zum Verwaltungsrecht:

„Zu beachten ist, dass Meinungsstreitigkeiten bei der abstrakten Auslegung eines bestimmten Tatbestandsmerkmals (z.B. ‚in dem Betrieb Beschäftigte‘ oder ‚Unzuverlässigkeit‘) anhand von Wortlaut, Systematik, Entstehungsgeschichte sowie Sinn und Zweck der Norm zu entscheiden sind und nicht durch eine ungeordnete Aneinanderreihung von Argumenten für und gegen ein bestimmtes Auslegungsergebnis.“

g) Was ist der Sinn eines juristischen Gutachtens?

Mit der gutachterlichen Lösung eines Klausursachverhalts wird die juristische Arbeit in der Praxis simuliert.

Wenn Du z.B. als Rechtsanwältin oder Rechtsanwalt von Deinem Mandanten einen Sachverhalt vorgelegt bekommst, musst Du wie in der Klausur vorgehen. Du musst immer proaktiv im Interesse Deines Mandanten überlegen, welche rechtlichen Eventualitäten in Betracht kommen.

Daher reicht es z.B. nicht aus, festzustellen, dass Deinem Mandanten grds. ein Anspruch gegen die Gegenseite zusteht. Du musst auch überlegen, wie die Gegenseite argumentieren und auf Deine Lösungsansätze reagieren kann. Stichwort: Sind Einwendungen ersichtlich? Wie ist die Beweislage?

Hinweis: Letztere Frage nach der Beweislage ist eher für das 2. Staatsexamen interessant. Gleichwohl solltest Du auch im ersten Staatsexamen über Grundkenntnisse im Beweisrecht verfügen, um die prozessuale Zusatzfrage zu lösen. Auch stellen Prüfer aus der Praxis (z.B. Rechtsanwalt oder Richter) gerne prozessuale Fragen in der mündlichen Prüfung aus ihrem Arbeitsalltag.

3. Warum ist die richtige Schwerpunktsetzung wichtig?

Die zentrale Rolle spielt der Inhalt einer jeden Jura-Klausur. Von einem Prüfling wird nicht nur erwartet, dass er alle Probleme erkennt, sondern auch, dass er die Fähigkeit zum Differenzieren mitbringt (Schwerpunkte setzen!), um eine gute Klausur anzufertigen. Das unterscheidet dann nämlich einen durchschnittlichen bzw. schlechten Juristen von einem guten.

a) Was zeichnet eine Prädikatsklausur aus?

Eine gute Lösung zeichnet sich dadurch aus, dass Du Unwichtiges von Wichtigem unterscheidest und somit demonstrierst, dass Du die zentralen Probleme erkannt hast.

Solltest Du jedoch doch mal einen falschen Lösungsweg eingeschlagen haben, so solltest Du diesen dann konsequent durchziehen. Ein falscher, aber konsequent durchgehaltener Lösungsweg wird meist mehr geschätzt als eine undurchsichtige und widersprüchliche Lösung.

b) Wie lerne ich die richtige Schwerpunktsetzung?

Durch den Sprung ins kalte Wasser, d.h. durch das Schreiben von Übungsklausuren unter realen Bedingungen. Das bedeutet, dass Du insbesondere ohne unzulässige Hilfsmittel wie Lehrbuch oder Skript Deine Probeklausuren schreibst.

Wichtig ist auch, immer die zulässige Bearbeitungszeit einzuhalten. Nur so lernst Du die richtige Schwerpunktsetzung.

4. Wie funktioniert der Gutachtenstil?

Unterschätze niemals die Bedeutung des Gutachtenstils, denn alle Korrektoren achten in allen Klausuren vom 1. Semester bis zum 1. Staatsexamen penibel darauf. Du schreibst schließlich ein Gutachten. Und die Fachsprache des Gutachtens ist der Gutachtenstil.

a) Das 4-gliedrige System des Gutachtenstils

Der Gutachtenstil besteht aus vier Schritten, um die Rechtsfrage präzise zu erfassen.

  • Obersatz
  • Definition
  • Subsumtion
  • Ergebnis

Dazu gehören natürlich zunächst gute Obersätze, die leider zu oft weggelassen werden bzw. unpräzise sind. Gewöhne Dir von Anfang Deines Studiums an, immer genaue Obersätze zu schreiben. Dies erleichtert Dir auch die Prüfung, da der Obersatz den Weg vorgibt und die gutachterliche Prüfung einleitet. Sodann folgt die Definition. Anschließend die Subsumtion des Sachverhalts unter die Definition und am Ende das Ergebnis.

b) Wann sollte ich den Urteilsstil nutzen?

Der Urteilsstil sollte restriktiv verwendet werden, nämlich dann, wenn es sich um etwas Offensichtliches und Unproblematisches handelt. 

Der Gutachtenstil hat gegenüber dem Urteilsstil den Vorteil, dass der Korrektor dem Gedankengang des Kandidaten viel leichter folgen kann. Nutzt Du hingegen den Urteilsstil, bekommt der Korrektor oftmals nur das Ergebnis mitgeteilt. Die Punkte bekommst Du jedoch nicht für das Ergebnis, sondern für dessen gutachterliche Herleitung.

Dennoch sollte der Urteilsstil (oder der verkürzte Gutachtenstil) im Hinblick auf eine gute Schwerpunktsetzung an unproblematischen Stellen verwendet werden. Kein Prüfer möchte seitenlange Ausführungen zu vollkommen unproblematischen Punkten.

Auch im Hinblick auf Dein Zeitmanagement (dazu sogleich) empfehle ich Dir dringend, Dich zu trauen, Unproblematisches konsequent im Urteilsstil abzuhandeln bzw. einfach nur festzustellen.

Beispiel:

Wenn in der Strafrechtsklausur Rechtswidrigkeit und Schuld unproblematisch sind, stelle einfach fest:

„A handelte rechtswidrig und schuldhaft.“

5. Zeitmanagement: Fertig werden

Ganz elementar ist außerdem, fertig zu werden! Eine unfertige Klausur führt häufig zu drastischen Punktabzügen und einer Bewertung unter dem Strich.

Daher ist es sehr wichtig, auf ein richtiges Zeitmanagement zu achten. Zu einer guten Zeiteinteilung gehört auch, dass man am Ende noch einmal zumindest ein paar Minuten für eine Korrektur hat und ggf. im Eifer des Gefechts vergessene Prüfungspunkte ergänzen kann.

Wenn Du Probleme damit hast, innerhalb der vorgegebenen Bearbeitungszeit fertig zu werden, solltest Du möglichst viele Probeklausuren schreiben. Derartige Fähigkeiten wie Zeitmanagement oder die richtige Schwerpunktsetzung lernt man nur mit der Bearbeitung praktischer Fälle.

Tipp: Vermeide Kopflastigkeit

Ein häufiger Grund, der dazu führt, dass eine Klausur nicht fertig wird, ist die sog. Kopflastigkeit. Viele Studierende neigen dazu, am Anfang der Klausur möglichst viel abstraktes Wissen abzuladen. Ein typisches Beispiel ist es, den Vertragsschluss einschließlich über 2 Seiten darzustellen, obwohl er laut Sachverhalt unproblematisch gegeben ist.

6. Achte auf Sprachstil und Handschrift

a) Warum ist ein guter Sprachstil wichtig?

Auch sprachlich sollte die Klausur an keinen Mängeln leiden. Orthografisch und grammatikalisch korrekte Sätze sind ein Muss und die juristischen Fachbegriffe dürfen auch nicht fehlen. Die Klausur liest sich nicht nur dadurch besser, sondern wird meistens besser bewertet.

b) Warum ist eine leserliche Handschrift wichtig?

Genauso sieht es aus, wenn man darauf achtet, dass die Handschrift leserlich ist, denn ganz oft wird das nicht in die Bewertung einbezogen, was nicht entziffert werden kann.

Hinweis: Prüfungsrechtlich müssen Korrektoren sich größte Mühe geben, eine Handschrift zu entziffern. Die Korrekturpraxis zeigt jedoch ein gegenteiliges Bild. Daher ist es besser, auf Lesbarkeit zu achten, anstatt später mittels einer Remonstration gegen eine schlechte Bewertung vorzugehen.

Checkliste Gutachten

VI. Die Benotung

1. Wer versteht die juristische Notenskala?

Eine Notenskala von 1 – 18 Punkte, aber 18 Punkte schafft noch nicht einmal Chuck Norris (den Witz werden vor allem die älteren Semester unter Euch verstehen). Über den Sinn von Noten, die praktisch nicht erreichbar sind, lässt sich streiten. Auch darüber, dass man mit der Hälfte, also mit 9 Punkten, schon exzellent ist.

Die Noten im Jurastudium (und erst recht im Staatsexamen) sind traditionell hart. Vor allem für Jurastudierende, die es noch aus Schulzeiten gewohnt sind, mit wenig Aufwand eine Eins oder Zwei zu schreiben, ist die Umstellung erst einmal ernüchternd.

Daher sei nicht enttäuscht, wenn sich bei Dir nicht gleich von Anfang an der Erfolg in Jura einstellt. Mit der richtigen Vorbereitung und Übung ist das Prädikat machbar. Ich hoffe, dass Dir die von mir hier vorgestellten Ratschläge dabei helfen.

2. Sind 7 Punkte in Jura gut?

Ja, 7 Punkte in Jura sind eine respektable Note. 7 Punkte liegen im Bereich des „Befriedigend“. Damit hast Du meistens schon eine überdurchschnittliche Klausur geschrieben. Die Durchschnittsnote in den Juraklausuren des Studiums liegt oftmals darunter.

Bis zum Prädikat (ab 10 Punkten in der Klausur bzw. ab 9 Punkten in der Durchschnittsnote des Examens) fehlt Dir aber noch einiges. Also sei nicht enttäuscht, wenn Du zum Anfang des Studiums „nur“ bei 7–8 Punkten landest. Das sind solide Ergebnisse, auf denen man aufbauen kann, um sich in Richtung Prädikat vorzuarbeiten.

VII. Der wichtigste Tipp zum Schluss

Bevor Du Deine Klausur im Jurastudium oder gar im Examen schreibst, musst Du ausreichend Übungsklausuren geschrieben haben. Wenn Du nur Theorie lernst und Dich nie dem „Ernstfall“ stellst, wirst Du meistens kein gutes Klausurergebnis erzielen. Daher ist es neben dem Anfluten von theoretischem Wissen sehr wichtig, ausreichend Übungsklausuren zu schreiben und an Fällen zu arbeiten.

Das mag sich alles auf den ersten Blick schwierig anhören. Und ja, das Jurastudium ist anspruchsvoll, gar keine Frage. Mit der richtigen Vorbereitung kann es jedoch jeder Studierende erfolgreich abschließen. Jura ist kein Hexenwerk, und anders als in Fächern wie Mathematik oder Physik gibt es unter uns Juristen auch keine Ausnahmetalente, die ohne zu lernen und ohne harte Arbeit ein gutes Examen schreiben.

Falls auch Du Deine juristischen Klausuren mit einer guten Note, vielleicht sogar zweistellig, bestehen möchtest, steht Dir die Kraatz Group seit mehr als 20 Jahren als wegweisendes Individual Repetitorium zur Seite. Ab dem 1. Semester über das Jura Hauptstudium, das 1. Examen bis hin zum 2. Examen – wir haben immer die perfekte Nachhilfe für Dich.

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Viel Glück und Erfolg bei den nächsten Klausuren!

Dr. Robert König

Mitgeschäftsführer des Jura Essentials Verlags

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