- 27. Oktober 2026
- Posted by: Mario Kraatz
- Category: Tipps fürs Studium
Kurzantwort: Wer im Jura Examen durchgefallen ist, hat in den allermeisten Fällen noch eine zweite Chance. Jedes Staatsexamen kann in der Regel einmal wiederholt werden, ein nicht bestandener Freiversuch gilt meist als nicht unternommen. Wichtig sind jetzt drei Schritte: Ruhe bewahren, sofort Klausureinsicht beim Justizprüfungsamt beantragen und die Fehler ehrlich analysieren. Wer endgültig nicht bestanden hat, kann z. B. einen Bachelor of Laws (LL.B.) erwerben, ein duales Studium zum Rechtspfleger beginnen oder in Bereiche wie Compliance oder Vertragsmanagement wechseln.
Du hast den Bescheid geöffnet, und die Welt steht still. Nach Jahren des Lernens heißt es: nicht bestanden. Das ist ein harter Schlag – aber du bist damit nicht allein, und es ist in den allermeisten Fällen nicht das Ende deines juristischen Weges. In diesem Beitrag erfährst du, was du jetzt konkret tun solltest, welche Optionen du hast und wie du den zweiten Anlauf erfolgreich angehst.
Wie viele fallen im Jura Examen durch?
Durchfallen ist im Jura Examen keine Ausnahme. 2024 haben bundesweit 27,4 % der Kandidat:innen die staatliche Pflichtfachprüfung des Ersten Staatsexamens nicht bestanden (LTO: Statistik 2024 zum Ersten Staatsexamen). Mehr als jede:r Vierte steht also vor derselben Situation wie du.
Endgültig scheitert dagegen nur ein kleiner Teil: Laut Statistik des Bundesamts für Justiz haben zwischen 2013 und 2022 insgesamt 9.309 Kandidat:innen das Erste oder Zweite Staatsexamen endgültig nicht bestanden – 6.123 im Ersten und 3.186 im Zweiten Examen (LTO: 9.309 endgültig Durchgefallene). Bezogen auf die Zahl der Durchfaller pro Jahr heißt das: Für die meisten ist der erste Fehlversuch nicht das Ende.
Was tun nach dem Durchfallen? Die ersten 3 Schritte
- Ruhe bewahren. Gib dir ein paar Tage, um die Enttäuschung zu verarbeiten. Panik ist ein schlechter Ratgeber, und wichtige Entscheidungen triffst du besser mit klarem Kopf. Sprich mit Menschen, denen du vertraust.
- Klausureinsicht sofort beantragen. Fordere beim zuständigen Justizprüfungsamt Einsicht in deine Klausuren und die Voten der Prüfer:innen an. Das ist doppelt wichtig: Du brauchst sie für deine Fehleranalyse, und Widerspruch oder Klage gegen die Bewertung sind fristgebunden.
- Fehler ehrlich analysieren. Lies die Voten genau und frage dich: Lag es am Wissen, an der Klausurtechnik, an der Schwerpunktsetzung, am Zeitmanagement oder an den Nerven? Erfahrungsgemäß scheitern viele Kandidat:innen weniger am Fachwissen als an fehlendem Klausurtraining und falscher Gewichtung. Ein Blick von außen – etwa durch erfahrene Repetitor:innen – hilft, blinde Flecken zu erkennen.

Welche Optionen habe ich nach dem ersten Fehlversuch?
Option 1: Der Wiederholungsversuch
Jedes Staatsexamen kann in der Regel einmal wiederholt werden. Hast du im Freiversuch nicht bestanden, gilt dieser Versuch nach den Landesregeln meist als nicht unternommen – dir bleiben dann in der Regel noch zwei reguläre Versuche. Einzelheiten zu Fristen und Anmeldung regelt das Juristenausbildungsgesetz deines Bundeslandes. Prüfe deshalb das aktuelle Merkblatt deines Justizprüfungsamts.
Für die Vorbereitung solltest du je nach Ausgangslage etwa sechs Monate bis ein Jahr einplanen. Mehr dazu liest du in unserem Ratgeber zum Jura Wiederholungsversuch und zum Jura Zweitversuch.
Option 2: Die Bewertung überprüfen lassen
Wenn Verfahrensfehler vorliegen oder die Bewertung nicht nachvollziehbar ist, kannst du Widerspruch einlegen. Im sogenannten Überdenkungsverfahren (Remonstration) prüfen die Korrektor:innen ihre Bewertung erneut. Dabei gilt:
- Konkrete Einwände nötig: Bloße Unzufriedenheit reicht nicht. Du musst begründen, warum eine bessere Bewertung angemessen wäre.
- Antwortspielraum: Seit einem Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 1991 (Az. 1 BvR 419/81) dürfen vertretbare und nachvollziehbar begründete Lösungen nicht als falsch gewertet werden.
- Kein Verschlechterungsrisiko: Die Note kann durch die Überdenkung nicht schlechter werden.
- Realistische Erwartungen: Erfolge sind eher selten, weil echte Bewertungsfehler schwer nachzuweisen sind (LTO: Remonstration im Staatsexamen).
Gerade wenn nur wenige Punkte zum Bestehen fehlen, kann eine Prüfung durch eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Verwaltungsrecht mit Schwerpunkt Prüfungsrecht sinnvoll sein. Wichtig: Fristen laufen ab Bekanntgabe des Bescheids.
Wie bereite ich den Wiederholungsversuch richtig vor?
Der häufigste Fehler im zweiten Anlauf: genauso weiterlernen wie vorher. Mit derselben Methode kommt meist dasselbe Ergebnis heraus. Diese fünf Punkte machen den Unterschied:
- Lernstrategie ändern: Leite aus deiner Fehleranalyse konkrete Maßnahmen ab. Fehlte Wissen, wiederholst du gezielt die Lücken. Fehlte Technik, steht Klausurtraining im Mittelpunkt.
- Viel mehr Klausuren schreiben: Schreibe mindestens eine Klausur pro Woche unter Echtbedingungen – fünf Stunden, nur mit Gesetzestext – und lass sie gründlich korrigieren.
- Schwerpunkte setzen lernen: Viele Punkte gehen verloren, weil Probleme übersehen oder Unproblematisches zu breit geprüft wird. Tipps dazu findest du in unserem Beitrag zum Gutachtenstil und zur Schwerpunktsetzung.
- Professionelle Unterstützung nutzen: Ein Repetitorium oder Einzelunterricht bringt Struktur, Feedback und Verbindlichkeit – gerade dann, wenn die Lerngruppe vom ersten Versuch nicht mehr da ist.
- Den Kopf mittrainieren: Ein Fehlversuch hinterlässt Spuren. Wenn Prüfungsangst eine Rolle gespielt hat, arbeite aktiv daran – Anregungen gibt der Beitrag zur Prüfungsangst im Jurastudium.
Endgültig nicht bestanden – welche Alternativen gibt es?
Wer auch den Wiederholungsversuch nicht besteht, hat das Staatsexamen endgültig nicht bestanden. In einigen Bundesländern ist – vor allem im Zweiten Examen – ausnahmsweise ein weiterer Versuch auf Antrag möglich. Lass dich dazu frühzeitig rechtlich beraten. Ansonsten gilt: Deine juristischen Kenntnisse sind wertvoll, und es gibt viele Wege.
Akademische Alternativen: Bachelor of Laws (LL.B.)
Viele Hochschulen bieten einen LL.B. an, oft lassen sich bereits erbrachte Studienleistungen anrechnen. Die FernUniversität Hagen etwa hat derzeit knapp 8.000 LL.B.-Studierende und bietet seit 2025 einen integrierten Bachelor für Studierende mit Ziel Erste Juristische Prüfung an (beck-aktuell: 50 Jahre FernUni Hagen). Auch andere Universitäten führen integrierte Bachelorabschlüsse ein. Kläre die Anrechnung direkt mit der Hochschule.
Ausbildungen mit juristischem Profil
- Duales Studium zum Rechtspfleger: Drei Jahre, Abschluss Diplom-Rechtspfleger/-in (FH). Rechtspfleger:innen bearbeiten eigenständig etwa Nachlass-, Grundbuch- und Registersachen (OLG Hamm: Duales Studium in der Justiz). Später ist z. B. eine Weiterqualifikation zum Amtsanwalt möglich.
- Ausbildung zur/zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten: Praxisnah und mit guten Perspektiven in Kanzleien.
Berufe in der Wirtschaft und im öffentlichen Dienst
Mit juristischem Wissen – und idealerweise einem LL.B. – bist du gefragt in Compliance, Vertragsmanagement, Legal Tech, Personalwesen oder im gehobenen Dienst der Verwaltung.
Ausführlich stellen wir die Wege in unserem Beitrag „Im Jura Examen endgültig durchgefallen? Dein Plan B“ vor.
Wie die Kraatz Group dich nach einem Fehlversuch unterstützt
Seit über 20 Jahren begleitet die Kraatz Group Jurastudierende und Referendar:innen durchs Examen – auch im zweiten Anlauf. Der Weg beginnt mit einer kostenlosen, unverbindlichen Beratung, in der deine Noten analysiert und Schwachstellen identifiziert werden. Darauf baut ein individueller Lernplan auf.
Je nach Bedarf stehen dir verschiedene Formate offen:
- Jura Einzelunterricht: Persönliche Betreuung, flexible Termine und Klausurkorrektur direkt durch deine Dozent:innen – ideal, um gezielt an deinen Schwächen zu arbeiten.
- Elite-Kleingruppe: Strukturierte Examensvorbereitung mit maximal acht Teilnehmenden und 60 persönlich korrigierten Klausuren.
- Klausurenkurs: Flexibles Klausurtraining mit Videokorrektur, Lösungsskizze und Punkteschema – als Ergänzung zu jeder Vorbereitung.
Unsere Dozent:innen haben selbst Prädikatsexamina abgelegt, einige waren als Prüfer:innen an Justizprüfungsämtern tätig. Sie wissen genau, worauf es bei der Bewertung ankommt – und wo im ersten Versuch Punkte verloren gingen. Hast du im Zweiten Examen nicht bestanden, findest du spezielle Hinweise im Beitrag „Im zweiten Jura Examen durchgefallen! Was nun?“.
FAQ: Jura Examen durchgefallen
Wie oft darf man das Jura Staatsexamen wiederholen?
In der Regel einmal. Ein nicht bestandener Freiversuch gilt meist als nicht unternommen, sodass dann noch zwei reguläre Versuche bleiben. Die genauen Regeln stehen im Juristenausbildungsgesetz des jeweiligen Bundeslandes.
Wie hoch ist die Durchfallquote im Ersten Staatsexamen?
2024 haben bundesweit 27,4 % der Kandidat:innen die staatliche Pflichtfachprüfung nicht bestanden. Je nach Bundesland und Jahr schwankt die Quote.
Kann ich gegen die Bewertung meines Examens vorgehen?
Ja. Du kannst Widerspruch einlegen und ein Überdenkungsverfahren anstrengen, bei Bedarf auch klagen. Dafür brauchst du konkrete, begründete Einwände gegen die Bewertung. Die Fristen beginnen mit der Bekanntgabe des Bescheids.
Wie lange sollte ich mich auf den Wiederholungsversuch vorbereiten?
Meist zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Entscheidend sind deine Ausgangslage und die Ursachen für das erste Ergebnis.
Was kann ich machen, wenn ich endgültig durchgefallen bin?
Möglich sind etwa ein Bachelor of Laws (LL.B.) mit Anrechnung bisheriger Leistungen, ein duales Studium zum Rechtspfleger, eine Ausbildung zur/zum Rechtsanwalts- und Notarfachangestellten oder ein Einstieg in Compliance, Vertragsmanagement oder Personalwesen.
Ist ein Fehlversuch im Lebenslauf ein Problem?
Viele Arbeitgeber achten vor allem auf die Endnote. Ein bestandener Wiederholungsversuch zeigt zudem Durchhaltevermögen – eine Eigenschaft, die im Berufsleben zählt.
Fazit: Ein Fehlversuch ist ein Rückschlag, kein Endpunkt
Im Jura Examen durchgefallen zu sein, tut weh. Doch mehr als jede:r Vierte erlebt im Ersten Staatsexamen dasselbe, und für die meisten geht es danach weiter. Entscheidend ist, was du jetzt tust: Klausureinsicht beantragen, Ursachen ehrlich analysieren, die Lernstrategie anpassen und dir die Unterstützung holen, die du brauchst. Und falls es endgültig nicht klappt, stehen dir mit LL.B., Rechtspflegerstudium oder einem Einstieg in die Wirtschaft viele Wege offen.
Du willst den zweiten Anlauf gezielt angehen? Vereinbare eine kostenlose Beratung bei der Kraatz Group. Gemeinsam analysieren wir deinen ersten Versuch und entwickeln einen Plan, mit dem du im Wiederholungsversuch bestehst.
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