- 14. Juli 2025
- Posted by: Mario Kraatz
- Category: Sonstiges
Nach den Examensklausuren steht die mündliche Prüfung im ersten Staatsexamen an
In diesem Blogbeitrag teilen wir Dir wertvolle Einblicke und Tipps für Deine mündliche Prüfung im 1. Staatsexamen direkt von erfahrenen Prüfern am Justizprüfungsamt (JPA). Aber auch, wenn Du Dich auf Deine mündliche Prüfung im Schwerpunkt oder die Verteidigung einer Seminararbeit vorbereitest, solltest Du diesen Artikel lesen. Gleiches gilt selbstverständlich auch für das 2. Staatsexamen.
Viele unserer Dozenten verfügen über jahrelange Prüfererfahrung und haben in der Summe unzählige Aktenvorträge und mündliche Prüfungen abgenommen. Daher können wir Dir genau sagen, worauf Prüfer besonderen Wert legen und wie Du Deine Chancen auf eine gute Note maximieren kannst.
Dazu möchten wir in diesem Beitrag die gesamten Abläufe der mündlichen Prüfung, wichtige Aspekte wie korrektes Auftreten und richtige Kleidung ansprechen und Dir außerdem auch noch Tipps gegen Prüfungsangst mitgeben.
Die Prüfer möchten das Beste für die Examenskandidaten
Ein häufiges Missverständnis ist, dass die Prüfer in der mündlichen Staatsprüfung eine negative Haltung gegenüber den Examenskandidaten haben. Das Gegenteil ist der Fall! Die meisten Prüfer möchten, dass die Prüflinge erfolgreich sind, und geben Dir in der Prüfung sogar Hilfestellungen. Sie sind daran interessiert, die Leistungen der Prüflinge zu fördern und ihnen eine faire Chance zu geben, ihre Kenntnisse unter Beweis zu stellen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass sie keine Erwartungen haben. Es ist wichtig, dass Du Dich gut vorbereitest und die notwendige Leistung erbringst. Auch wenn die Noten in der mündlichen Prüfung besser ausfallen als in den Klausuren – verschenkt werden sie nicht, da alle Kandidatinnen und Kandidaten gleich behandelt werden. Wenn Du aber unsere Tipps umsetzt, kannst Du der Bekanntgabe Deiner Gesamtnote am Ende der mündlichen Prüfung gelassen entgegensehen!
1. Das Vorgespräch der mündlichen Prüfung im 1. Examen (1. juristische Staatsprüfung)
Ein entscheidender Aspekt der mündlichen Prüfung im ersten Staatsexamen oder im Assessorexamen ist das Vorgespräch mit dem Vorsitzenden. Hier hast Du die Möglichkeit, Deine Ziele klar zu kommunizieren. Es ist wichtig, keine falsche Bescheidenheit zu zeigen und den Prüfern mitzuteilen, auf welchem Niveau Du geprüft werden möchtest.
Wie man sich richtig auf das Vorgespräch vorbereitet
- Sei klar und direkt: Teile dem bzw. der Vorsitzenden mit, was Du Dir erhoffst.
- Setze realistische Erwartungen: Überlege Dir, was Du tatsächlich erreichen kannst. Wenn Du mit z.B. 5 Punkten hereinkommst, ist das Prädikat außer Reichweite. Die Note befriedigend aber nicht.
- Nutze das Vorgespräch: Es ist eine Gelegenheit, um die Prüfer auf Deine Stärken aufmerksam zu machen.
- Bereite Dich vor: Google den vorsitzenden Prüfer vorab, um Dich bestmöglich auf das Vorgespräch vorzubereiten. Dieser Tipp gilt übrigens auch hinsichtlich der übrigen Prüfer. Denn viele Prüfer prüfen Themen, die sie in ihrer täglichen Arbeit vorfinden bzw. zu denen sie publiziert haben.
2. Der Beginn der mündlichen Prüfung: Der erste Eindruck zählt
Der erste Eindruck ist entscheidend und damit auch der Beginn der Prüfung. Sie beginnt, sobald Du den Prüfungsraum betrittst, und nicht erst mit den ersten Fragen der Prüferinnen und Prüfer!
Dein Auftreten und Deine Kleidung vermitteln den Prüfern sofort eine Botschaft über Dein Selbstbewusstsein und Deine Professionalität. Sei Dir dessen bewusst. Einen ungünstigen ersten Eindruck als Prüfling später zu korrigieren, ist schwierig; selbst, wenn man sämtliches Prüfungswissen parat hat.
Es ist daher wichtig, selbstbewusst und mit einer positiven Einstellung in den Prüfungsraum zu gehen. Deine Körpersprache spielt eine große Rolle dabei, wie Du wahrgenommen wirst.
Prüfungswissen allein reicht nicht: Auf das richtige Auftreten im Prüfungsgespräch kommt es an
- Trage angemessene, konservative Kleidung.
- Betrete den Raum mit einem freundlichen Gesicht und aufrechtem Gang.
- Verstecke Dich nicht hinter Deinen Unterlagen – zeige Präsenz!
- Grüße die Prüfer freundlich und stelle Blickkontakt her.
3. Tipp: Die mündliche Prüfung im ersten juristischen Staatsexamen durch Simulation üben
Es ist neben der fachlichen Vorbereitung auch notwendig, die mündliche Prüfung im Vorfeld zu simulieren – sei es z.B. mit der Lerngruppe oder bei uns im Jura Einzelunterricht mit einem erfahrenen Dozenten. Vergesst dabei auch nicht, den Aktenvortrag (auch Kurzvortrag genannt) zu üben. Er stellt i.d.R. den fachlichen Einstieg in die Prüfung dar und ist daher von elementarer Bedeutung.
4. Der Beginn des Prüfungsgesprächs & Ablauf der Prüfung
Wie gesagt: Der erste Eindruck zählt – nicht nur persönlich, sondern auch fachlich! Wenn Dir am Anfang des Prüfungstages z.B. ein grober Fehler (Missachtung des Abstraktionsprinzips o.Ä.) unterläuft, ist es sehr schwer, diesen nachträglich im weiteren Prüfungsablauf wieder wettzumachen.
Am Anfang der Prüfung in jedem der drei Rechtsgebiete, die jeweils in etwa 45 Minuten dauert, stellt der Prüfer bzw. die Prüferin in der Regel einen Sachverhalt vor. Schreibe den Sachverhalt mit und frage nach, wenn Du etwas nicht verstanden hast.
Wenn Du an der Reihe bist, beginne mit dem, was Du weißt, und strukturiere Deine Argumentation klar. Kommuniziere aktiv mit den Prüfern (Augenkontakt!) und zeige, dass Du die Grundlagen verstanden hast.
5. Das Gesetz in der Prüfung im Zivilrecht, Strafrecht und öffentlichen Recht
Das Gesetz ist das zentrale Element der mündlichen Prüfung Jura – sowohl im Zivilrecht, Strafrecht als auch im Öffentlichen Recht. Das vergessen leider viele Kandidaten. Im schlimmsten Fall wird das Gesetz nicht einmal geöffnet. Die Prüfer möchten sehen, dass Du in der Lage bist, die relevanten Normen anzuwenden und den Sachverhalt korrekt zu analysieren.
Es ist essenziell, mit und an dem Gesetz zu arbeiten. Auch wenn Du schon das Ergebnis weißt; darauf kommt es nicht so sehr an. Vielmehr geht es auch in der mündlichen Prüfung, wie schon in den Jura Klausuren, um die gutachterliche Lösung eines vorgegebenen Sachverhalts.
Tipp: Beginne Deine Argumentation immer mit der rechtlichen Grundlage und arbeite Dich dann durch den Sachverhalt. Schlage Dein Gesetz auf und schau hinein. Dies wird von allen Prüfern positiv aufgenommen.
Wenn Du Unterstützung für die Vorbereitung auf Deine mündliche Prüfung benötigst, helfen Dir unsere erfahrenen Dozenten, von denen einige sogar über Prüfererfahrung verfügen, sehr gerne. Wir unterstützen Dich gerne (unter anderem) in unserem Jura Repetitorium München, Jura Repetitorium Köln und Jura Repetitorium Münster.
6. Aktive Mitarbeit mit der Prüfungskommission
Die aktive Mitarbeit ist ein zentraler Bestandteil der mündlichen Prüfung. Es zeigt, dass Du engagiert bist und bereit bist, Deine Kenntnisse zu zeigen. Hierauf achten sämtliche Prüfer! Ein offener Dialog ermöglicht es, Missverständnisse zu klären und das Prüfungsverfahren zu einem konstruktiven Austausch zu machen. Auch kannst Du im besten Fall die jeweilige Fragestellung und das Prüfungsgespräch in Deine Richtung lenken.
Zur aktiven Mitarbeit gehört es zunächst, die Kommunikation mit den Prüfern zu suchen. Schaue diese direkt an und blicke nicht nach unten auf Dein Blatt Papier. Selbst wenn Du etwas nicht auf Anhieb weißt, ist es besser, den Kontakt zu suchen. Je mehr Redeanteil man bekommt, desto besser, selbst wenn Deine Antwort nicht perfekt sein sollte. Wer sich quasi wegduckt, vermittelt den Prüfern über seine Körpersprache den Eindruck, nichts zu wissen.
Tipps: Höre aufmerksam zu und reagiere auf die Beiträge der anderen Prüflinge (natürlich nur nach Aufforderung durch die Prüfer). Ergänze Argumente und bringe eigene Gedanken ein. Vermeide es, die eigene Leistung während der Prüfung zu bewerten – konzentriere Dich auf das Gespräch. Viele Prüfer haben das berühmte Pokerface, sodass Du nicht versuchen solltest, etwas in ihren Gesichtern zu lesen.
7. Interaktion mit anderen Prüflingen
Die Interaktion zwischen den Mitprüflingen ist ein wichtiger Aspekt der mündlichen Prüfung. Die Prüfer beobachten, wie Kandidaten miteinander umgehen und wie sie ihre Argumente einbringen.
Höre Deinen Kommilitonen aktiv zu, auch wenn sie Fehler machen und in eine falsche Richtung abbiegen. Wenn Du dann an der Reihe bist, ergänze, anstatt zu kritisieren. Wenn Du einen anderen Standpunkt hast, bringe ihn höflich und konstruktiv ein. Vermeide Formulierungen wie: „Das ist falsch!” Unkollegiales Auftreten wirkt sich negativ auf Deine Note aus! Schließlich, dessen sind sich die Prüfer bewusst, könntest Du in Zukunft ihr Kollege sein.
8. Die Bedeutung der Körpersprache
Körpersprache spielt eine entscheidende Rolle in der mündlichen Prüfung im Jura-Examen. Sie beeinflusst, wie Prüfer Dich wahrnehmen, und kann Dein Selbstbewusstsein stärken.
Hier sind einige Tipps, auf die Du achten solltest:
- Zeige eine offene Körperhaltung: Vermeide es, Arme und Beine zu verschränken. Eine offene Haltung signalisiert gleichzeitig Selbstbewusstsein und Empathie.
- Gestik: Nutze Deine Hände zur Unterstützung Deiner Argumentation, aber übertreibe nicht. Wildes Herumfuchteln macht keinen guten Eindruck.
- Ruhe ausstrahlen: Achte darauf, ruhig und gelassen zu wirken, um den Prüfer und Dich selbst zu beruhigen. Die Prüfer wissen, dass Du unter Stress stehst. Und genau das ist auch Teil der mündlichen Prüfung. Der Alltag als Jurist ist später stressig. Daher wollen die Prüfer wissen, ob ihre zukünftigen Kollegen mit dem Stress umgehen können.
9. Tipps gegen Prüfungsangst in der mündlichen Examensprüfung
Du leidest „lediglich“ an Nervosität? Dann nutze erprobte psychologische Techniken, um Deine Nervosität zu umgehen. Tiefe Atemzüge helfen Dir, Deine Nervosität zu reduzieren und die Konzentration zu erhöhen. Stelle Dich schon im Vorfeld (vor allem die letzten Tage vor der Prüfung) positiv auf die Prüfung ein und vermeide negative Gedanken.
Wenn Du allerdings unter echter Prüfungsangst leidest, solltest Du diese schon weit im Vorfeld angehen! Falls Du mehr über Mittel und Wege gegen Prüfungsangst erfahren möchtest, lies Dir gerne unsere Ratsgeberseite zur Prüfungsangst durch.
10. Warnung: Verlass Dich nicht zu sehr auf Standardfragen und die Protokolle bei Deiner Prüfungsvorbereitung
Es geht oftmals das Gerücht um, dass es im Grunde ausreichen würde, anhand der Prüfungsprotokolle zu lernen. Nach der schriftlichen Prüfung müsse man im Grunde nichts mehr machen; schon gar nicht sich im Zivilrecht, Öffentlichen Recht und Strafrecht fit halten. Wenn man die Ladung zur mündlichen Prüfung erhält, holt man sich also die Protokolle, und das würde dann ausreichen. Ein großer Fehler!
Die Protokolle Deiner Prüfung sind eine wichtige Grundlage Deiner Prüfungsvorbereitung in den letzten Wochen kurz vor der Prüfung. Keine Frage. Aber rechne nicht damit, dass sämtliche Prüfer 100 % “protokollfest” sind. Auch kommt es häufiger vor, als man denkt, dass ein Prüfer z.B. aufgrund von Krankheit kurzfristig ausfällt und am Prüfungstag plötzlich ein anderer Prüfer als erwartet erscheint, was den Prüfungsstoff beeinflussen kann. Es ist daher höchst fahrlässig, sich allein auf die Protokolle zu verlassen. Diese ersetzen keine dezidierte materiell-rechtliche Examensvorbereitung sowie die Vorbereitung auf die Prüfungssituation an sich.
Falls Du Dich optimal auf Deine mündliche Prüfung vorbereiten willst, stehen die Akademie Kraatz und die Assessor Akademie Dir jederzeit hilfreich zur Seite. Nimmer gerne Kontakt mit uns auf.
Lege Dein Skript nicht beiseite
Nach der schriftlichen Pflichtfachprüfung solltest Du also Dein Jura Skript nicht beiseitelegen, sondern Dich weiterhin fit im materiellen Recht halten. Daneben sind in der mündlichen Prüfung aktuelle Entscheidungen noch wichtiger als in den Klausuren des ersten Staatsexamens.
Damit Du keine aktuelle Rechtsprechung mehr verpasst, sind unsere neuen Crashkurse zur aktuellen Rechtsprechung die beste Hilfe für Dich.
Übe den Aktenvortrag
Außerdem darfst Du nicht vergessen, dass er elementar wichtige Aktenvortrag (in manchen Bundesländern Kurzvortrag genannt) nicht nur am meisten zählt, sondern den wichtigen Einstieg in die mündliche Prüfung darstellt. Er ist der erste Eindruck, den Du aus fachlicher Sicht bei Deinen Prüfern hinterlässt.
Fazit: Die richtige Vorbereitung auf die mündliche Prüfung Jura
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die mündliche Prüfung im Staatsexamen eine Herausforderung darstellt, die jedoch mit der richtigen Vorbereitung und Einstellung sehr gut gemeistert werden kann.
Das Wichtigste ist, dass Du gut vorbereitet in Deine mündliche Prüfung gehst. Viele Studierende und Referendare stellen das Lernen nach den Examensklausuren ein. Das ist der gravierendste Fehler, zumal die Noten in der mündlichen Prüfung viel besser ausfallen als in den Klausuren. Wenn Du gut vorbereitet bist, sind hier beträchtliche Notensprünge möglich.
Aktenvortrag und Prüfungsgespräche mit echten Prüfern üben
Die beste Vorbereitung ist der effektive Jura Einzelunterricht der Akademie Kraatz (1. Examen) und der Assessor Akademie (Referendariat & 2. Examen). Unsere erfahrenen Dozenten, die teilweise sogar über Prüfererfahrung verfügen, bereiten Dich optimal auf Deine mündliche Prüfung vor.
Egal, ob Du Dein materielles Wissen festigen, den Aktenvortrag üben oder an einer Prüfungssimulation teilnehmen möchtest – wir bieten Dir diejenige Vorbereitung, die Du benötigst, um Deine persönlichen Ziele zu erreichen: Egal, ob Du ein Prädikatsexamen anstrebst, schon einmal durchgefallen bist oder Deinen Verbesserungsversuch vorbereitest.
Melde Dich gerne bei uns für einen kostenlosen Beratungstermin.
Nach der mündlichen Prüfung steht das Referendariat an
Nach erfolgreicher mündlicher Prüfung kannst Du Dich erst einmal ausruhen. Wenn dann später das Referendariat ansteht, begleiten wird Dich mit der Assessor Akademie weiter auf Deinem Weg zum Volljuristen.
Wir wünschen Dir viel Erfolg für Deine mündliche Prüfung.
RA Mario Kraatz
Gründer und Geschäftsführer der Kraatz Group
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Wir hoffen, Dir für Dein Studium oder Dein Referendariat hilfreiche Inhalte (Content) bereitgestellt zu haben. Wenn auch Du Dir auf dem Weg hin zum 1. Staatsexamen und dem 2. Staatsexamen den entscheidenden “Kick” nach vorne geben möchtest, informiere Dich hier gerne weiterführend über unsere Angebote.
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