Freischuss Jura: der ultimative Guide für Deinen Freiversuch

Jeder Jurastudierende stellt sich irgendwann die Frage: Freiversuch ja oder nein?

In diesem umfassenden Ratgeber werde ich auf sämtliche Aspekte eingehen, die Dir dabei helfen, diese Frage zu beantworten.

Inhalt Freischuss

I. Was ist der Freischuss im Jurastudium?

Der „Freiversuch“ (umgangssprachlich: Freischuss) ist eine besondere Prüfungsregelung in der Juristenausbildung: Wird die erste juristische Pflichtfachprüfung frühzeitig abgelegt und nicht bestanden, gilt sie als nicht abgelegt und wird nicht auf die regulären Versuche angerechnet.

Dadurch erhalten Examenskandidaten einen zusätzlichen Prüfungsversuch vom Prüfungsamt (JPA).

Das Beste vorweg: Sämtliche Bundesländer bieten Dir heutzutage diese Möglichkeit.

Im weiteren Artikel wollen wir uns nun gemeinsam ansehen, welche Voraussetzungen Du erfüllen musst, um den Freiversuch schreiben zu können.

Abschließend werde ich Dir aus erster Hand meine wichtigsten Tipps für Deine Examensvorbereitung mitgeben, die ich in über 20 Jahren als Repetitor mit unzähligen Teilnehmern gesammelt habe.

II. Welche Vor- und Nachteile hat der Freiversuch in Jura?

Im Folgenden wollen wir uns einmal die (zahlreichen) Vorteile, aber auch die Nachteile des Freiversuchs näher ansehen.

1. Was ist, wenn ich im Freiversuch durchfalle?

Prüfungsrechtlich hat das Durchfallen im Freiversuch keine Folgen. Der Freiversuch wird annulliert, und der Prüfling kann den regulären Versuch sowie im Fall des erneuten Durchfallens einen Wiederholungsversuch wahrnehmen.

In einigen Bundesländern, wie Berlin, ist ein Verbesserungsversuch nur nach einem bestandenen Freiversuch möglich.

Währenddessen ist in anderen Bundesländern, z.B. in NRW, auch nach einem Misserfolg im Freiversuch eine Notenverbesserung möglich (auf dieses Thema komme ich später noch zu sprechen).

Psychologisch kann (muss aber nicht!) das Durchfallen zu Selbstzweifeln führen, besonders nach intensiver Vorbereitung. Doch dieser Misserfolg kann auch als Chance genutzt werden.

Wer den Freiversuch nicht besteht, hat die Möglichkeit, den nächsten Versuch in fundierterer und strukturierterer Weise anzugehen, um eine höhere Examensnote zu erzielen. Aus der Erfahrung unserer Teilnehmer zeigt sich, dass eine gezielte Vorbereitung nach einem misslungenen Freiversuch oftmals zu einem sehr erfreulichen Examen führt.

Falls Du durch den Freiversuch gefallen bist, empfehle ich Dir unseren ausführlichen Artikel mit konkreten Ratschlägen für Deine erneute Examensvorbereitung auf den Normalversuch: Freischuss nicht bestanden

2. Was sind die Vorteile des Freiversuchs in der ersten juristischen Prüfung?

Der Freiversuch bringt die folgenden Vorteile mit sich:

  • Zusätzlicher Prüfungsversuch
  • Keine negativen Konsequenzen bei Durchfallen
  • Hohe Bestehensquote
  • Möglichkeit zur Notenverbesserung
  • Psychologische Entlastung
  • Klausurenpraxis
  • Motivation für zügiges Studium

a) Zusätzlicher Prüfungsversuch

Der Freiversuch zählt beim Nichtbestehen nicht als Fehlversuch, wodurch man de facto einen zusätzlichen Versuch hat.

Daher hast Du bis zu drei Versuche in der staatlichen Pflichtfachprüfung.

b) Keine negativen Konsequenzen bei Durchfallen

Wenn man im Freiversuch durchfällt, wird dies wie kein Versuch gewertet.

Der erste Versuch wird dann einfach annulliert.

c) Wie viele Studierende bestehen im Freiversuch?

Über 83 % gegenüber knapp 75 % im normalen Versuch!

Das zeigt, dass sich diejenigen, die den Freischuss mitschreiben, oftmals besser auf das Examen vorbereiten.

d) Möglichkeit zur Notenverbesserung

Besteht man im Freiversuch, kann man in allen Bundesländern später nochmals zur Verbesserung antreten.

Mit einem bereits bestandenen Examen in der Tasche kannst Du den Verbesserungsversuch dann viel entspannter und stressfreier angehen als Deinen ersten Versuch.

e) Psychologische Entlastung: Examen mit Rettungsnetz

Die Aussicht auf eine „verlustrisikolose“ Prüfung kann den Prüfungsstress reduzieren und motivieren.

Es geht nämlich nicht – wie im Normal- oder gar im Zweitversuch – um „alles oder nichts“.

f) Klausurenpraxis

Der Freiversuch bietet eine konkrete Prüfungssituation, aus der man Erfahrung sammeln kann. Daher kannst Du mit dieser Erfahrung Deinen Verbesserungsversuch gestärkt antreten.

g) Motivation für zügiges Studium

Die Regelungen zum Freiversuch zielen darauf ab, ein zielgerichtetes Jurastudium zu fördern. Dadurch sparst Du am Ende wertvolle Zeit, anstatt das ohnehin lange Studium noch unnötig in die Länge zu ziehen.

3. Was sind potenzielle Nachteile?

Die Nachteile dürfen natürlich nicht unbeachtet bleiben:

  • Zeitdruck und Studienbelastung
  • Eventuelle Demotivation durch Nichtbestehen
  • Risiko oberflächlicher Vorbereitung

a) Zeitdruck und Studienbelastung

Die Frist für den Freiversuch, die unter der Regelstudienzeit liegt, kann unter Umständen zu zusätzlichem Druck im Studium führen.

b) Eventuelle Demotivation durch Nichtbestehen

Wenn man den Freiversuch nicht schafft, kann das mental belastend wirken und Selbstzweifel hervorrufen.

c) Risiko oberflächlicher Vorbereitung

Manche Studierende wären möglicherweise eher geneigt, den Freiversuch weniger ernst zu nehmen und zu spät intensiv zu lernen, was das Risiko eines Fehlversuchs erhöht.

4. Zwischenfazit – nimm den zusätzlichen Prüfungsversuch wahr

Hier noch einmal sämtliche Vor- und Nachteile im Überblick

Meine klare Aussage: Der Freiversuch ist kein Risiko, sondern ein strategischer Vorteil.

Ich spreche hier aus eigener Erfahrung: Ich habe mir schon nach der Zwischenprüfung den Freiversuch als Ziel gesetzt und dann systematisch und kontinuierlich darauf hingearbeitet. Dieses Ziel gab mir die notwendige Motivation, mit den großen Scheinen im Hauptstudium nicht zu „trödeln“. Das 1. Staatsexamen habe ich dann im Freiversuch mit einem Prädikatsexamen abgeschlossen.

Die meisten Nachteile des Freiversuchs sind organisatorisch beherrschbar.

Mit der richtigen Examensvorbereitung und einer umsichtigen Planung wird Dir auch der Fehler einer zu oberflächlichen Vorbereitung nicht unterlaufen.

Das zeigt auch unsere über 20-jährige Erfahrung als Jura-Repetitorium: Viele unserer ehemaligen Teilnehmer haben den Freischuss nicht nur “irgendwie” bestanden, sondern dabei ein Prädikatsexamen erzielt.

III. Fristen & Voraussetzungen: Wann ist der Freischuss möglich?

Der Freiversuch wird Dir nicht automatisch gewährt, sondern Du musst Dich beim Justizprüfungsamt (JPA) dazu anmelden und außerdem einige Voraussetzungen erfüllen. Diese sehen wir uns nun gemeinsam näher an.

1. Welche Voraussetzungen gelten in meinem Bundesland?

Im Normalfall ist der Freischuss daran gekoppelt, dass Du ununterbrochen studiert und sämtliche Scheine abgeschlossen hast. Auf die Frist komme ich dann noch sogleich zu sprechen.

Die genauen Modalitäten, also insbesondere Voraussetzungen und Fristen, findest Du in dem für Dein jeweiliges Bundesland gültigen Juristenausbildungsgesetz oder in der Juristenausbildungsordnung.

In der folgenden Übersicht findest Du die für Dein Bundesland maßgebliche Regelung:

Freischuss Bundesland

Hinweis: Du hattest Dein Studium für längere Zeit unterbrochen? Dann kommt für Dich in den meisten Bundesländern leider kein Freiversuch in Betracht.

Für den Wiedereinstieg empfehle ich Dir folgenden Artikel: So gelingt Dein Wiedereinstieg in das Jurastudium

2. Was ist die reguläre Frist für den Freiversuch?

In den allermeisten Bundesländern musst Du Dich bis zum Ende des 8. Fachsemesters zum Freiversuch anmelden.

In wenigen Bundesländern, wie in Sachsen, bestehen jedoch andere Fristen.

Hier ist ein Überblick über die Fristen in den einzelnen Bundesländern:

 

In den meisten Bundesländern musst Du Dich also spätestens nach einem ununterbrochenen Studium von acht Fachsemestern zum Freischuss anmelden.

Du schreibst dann die Aufsichtsarbeiten des ersten Staatsexamens (Klausuren) nach Abschluss des achten Fachsemesters, d.h. also im neunten Semester Deines Jura-Studiums.

3. Wann ist eine Meldefristverlängerung möglich?

In den meisten Bundesländern ist es möglich, dass sich die Frist bei Vorliegen bestimmter Gründe nach hinten verschieben kann.

Die Gründe für eine Meldefristverlängerung sind i.d.R. die folgenden:

Die maximal mögliche Summe der Meldefristverlängerung ist dabei oftmals auf vier Fachsemester beschränkt (z.B. § 25 Abs. 5 JAG NRW), die dann bei der Berechnung der Frist für Deinen Freiversuch unberücksichtigt bleiben.

4. Wichtig: Ohne Nachweis gewährt das Prüfungsamt keine Meldefristverlängerung

Bevor Du z.B. an einem Moot Court teilnimmst oder ein Semester im Ausland planst, solltest Du beim Prüfungsamt erfragen, welche Voraussetzungen für die betreffende Meldefristverlängerung notwendig sind.

Hinweis: Mitunter gibt es auch ein entsprechendes Merkblatt auf der Internetseite des Prüfungsamts, das einer ersten Orientierung dienen kann.

Das variiert mitunter je nach Bundesland und Prüfungsamt (JPA). Z.B. werden in manchen Bundesländern Tätigkeiten bei allen fachbezogenen studentischen Gruppen wie der studentischen Rechtsberatung Law & Legal e.V. akzeptiert, während in anderen Bundesländern nur die Mitarbeit bei einem “offiziellen” studentischen Gremium (z.B. Fachschaft) berücksichtigt wird.

Und in jedem Fall ist es wichtig, dass Du mit der Beantragung Deines Freiversuchs die notwendigen Nachweise über die jeweiligen Gründe für die Fristverlängerung erbringen kannst.

Auch hier solltest Du im Vorfeld beim Prüfungsamt (JPA) abklären, wie diese aussehen müssen. Reicht für den Nachweis einer Erkrankung z.B. ein einfaches ärztliches Attest oder muss es ein amtsärztliches Attest sein?

IV. Freischuss und Verbesserungsversuch

Erst einmal die gute Nachricht: In allen Bundesländern ist ein Verbesserungsversuch möglich.

Die schlechte Nachricht: In manchen Bundesländern kannst Du nur nach einem bestandenen Freiversuch in den Notenverbesserungsversuch gehen.

In anderen Bundesländern hingegen kannst Du den Jura-Verbesserungsversuch auch ohne Freiversuch wahrnehmen.

1. Wie sehen die Regelungen zum Verbesserungsversuch in den einzelnen Bundesländern aus?

Schau Dir hierzu unsere Übersicht an:

Kraatz-Tipp: Wenn Du also z.B. in Hamburg studierst, ist die Möglichkeit eines Verbesserungsversuchs ein weiteres gewichtiges Argument dafür, den Freischuss abzulegen.

2. Ist der Verbesserungsversuch fristgebunden?

Der Verbesserungsversuch ist fristgebunden, wobei auch diese Fristen variieren. Meistens sehen die Regelungen der Länder vor, dass der weitere Versuch zur Notenverbesserung innerhalb eines Jahres nach einem bestandenen ersten Versuch abgelegt oder beantragt werden muss.

Hier ist es absolut wichtig, dass Du Dich rechtzeitig bei Deinem Prüfungsamt über die für Dich geltenden Formalitäten informierst.

3. Ist der Verbesserungsversuch kostenlos?

In manchen Bundesländern ist der Notenverbesserungsversuch kostenlos, in anderen wird eine Gebühr erhoben, die mehrere 100 EUR betragen kann.

Im zweiten Staatsexamen ist der Verbesserungsversuch mittlerweile in allen Bundesländern kostenpflichtig.

V. Niedersachsen und Uni Mannheim: Freischuss und Abschichten im Examen

Beim sog. Abschichten kannst Du die Aufsichtsarbeiten nicht alle innerhalb eines Examenstermins schreiben, sondern über mehrere Termine verteilt.

Nachdem das Abschichten in NRW abgeschafft wurde, ist dieses nur noch in Niedersachsen landesweit möglich. Hier ist das Abschichten in zwei Blöcken erlaubt, also z.B. erst einmal das Zivilrecht im ersten Block und dann StGB und ÖR im zweiten.

Das Abschichten ist in § 4 Abs. 2 NJAG als eine Unterform des Freischusses geregelt. Diese Variante des Staatsexamens kannst Du frühestens nach Abschluss des 6. Fachsemesters und spätestens in dem auf das 8. Semester folgenden Prüfungsdurchgang wählen.

Außerdem ist das Abschichten an der Universität Mannheim möglich, sofern man sich in den Studiengang Unternehmensjurist einschreibt. Informiere Dich dazu gerne über unser Jura Repetitorium Mannheim und buche Dir ein kostenloses Beratungsgespräch.

Lesetipp: Wenn Du mehr über die Möglichkeit des Abschichtens erfahren möchtest, empfehle ich Dir folgenden Artikel: Vor- und Nachteile des Abschichtens

VI. VB-Strategie: Wie solltest Du Dich auf Deinen Freiversuch vorbereiten?

Damit der Freischuss von Erfolg gekrönt ist, muss er dezidiert vorbereitet werden. Du solltest Deinen Freiversuch wie den „Normalversuch“ angehen und nicht einfach „nur auf gut Glück“ mitschreiben.

In über 20 Jahren als führendes Jura Individual Repetitorium mit über 45 Dozentinnen und Dozenten haben wir eine umfassende Erfahrung damit, wie Du Dich erfolgreich auf Deinen Freiversuch vorbereitest.

Die wichtigsten Tipps und Ratschläge möchte ich Dir im Folgenden mitgeben. Das ist meine VB-Strategie für Dich!

Unter VB-Strategie verstehe ich keine Geheimformel und kein bloßes Mehrlernen. Gemeint ist eine strukturierte Vorbereitung, die Wissen, Klausurkompetenz, Wiederholung und mentale Stabilität gezielt miteinander verbindet.

Checkliste Examensvorbereitung Freiversuch

Checkliste Freiversuch

1. Geh konsequent Deinen eigenen Weg

„Der sichere Weg zur Mittelmäßigkeit ist, immer der Masse zu folgen.“

Die durchschnittliche Studiendauer beträgt 10,3 Semester. 80 % erreichen kein Prädikatsexamen. Wenn Du ambitionierte Ziele hast, musst Du einen anderen Weg gehen als der durchschnittliche Jurastudierende.

In der Examensvorbereitung gibt es generell keinen universellen „Masterplan“, der für jeden gleichermaßen funktioniert. Jede Jurastudentin und jeder Jurastudent muss vielmehr einen Lernweg finden, der zu den eigenen Stärken, Schwächen und Lerngewohnheiten passt.

Diesen Weg solltest Du aktiv und bewusst entwickeln, anstatt lediglich das zu übernehmen, was „alle anderen“ machen. Denn letztlich ist es Dein Examen.

Daher sind die folgenden Tipps, die auf meiner mehr als 20-jährigen Erfahrung beruhen, auch nicht absolut zu sehen, sondern flexibel Deiner Persönlichkeit anzupassen.

2. Plane Deinen Freiversuch schon frühzeitig im Jurastudium

Ein zügiges Studium ist die grundlegende Voraussetzung dafür, dass Du überhaupt die Möglichkeit hast, den Freiversuch wahrzunehmen.

Acht Fachsemester (plus eine eventuelle Meldefristverlängerung) hören sich erst mal lange an. Aber glaub mir, das zeigt die Erfahrung: Die Zeit vergeht wie im Flug und plötzlich ist man schon im 10. Semester.

Deshalb solltest Du Deine Studienplanung frühzeitig und strukturiert angehen – idealerweise bereits nach dem erfolgreichen Abschluss des Grundstudiums.

Lass Dir mit dem Hauptstudium und dem Schwerpunktbereich nicht zu viel Zeit. Vielmehr plane diese Studienabschnitte dezidiert.

Kraatz-Tipp: Mach die Pflichtpraktika schon am Anfang des Jurastudiums.

Begrenze (ggf. notwendige) Studentenjobs auf ein Mindestmaß.

Und das Wichtigste: Schiebe Klausuren und Hausarbeiten nicht unnötig auf.

3. Gibt es persönliche Baustellen?

Prüfungsangst

Mit solchen Problemen bist Du keineswegs allein. Viele Studierende – gerade auch im Jurastudium – kämpfen im Laufe ihres Studiums mit genau diesen Herausforderungen. Die gute Nachricht ist jedoch: Mit der richtigen Unterstützung lassen sich diese Schwierigkeiten in aller Regel sehr gut bewältigen.

Wichtig ist allerdings, dass Du solche individuellen „Baustellen“ frühzeitig angehst. Du solltest nicht erst während der „heißen“ Examensvorbereitung – oder sogar erst kurz vor den Examensklausuren – damit beginnen, an diesen Problemen zu arbeiten.

Je früher Du hier die richtigen Strategien entwickelst, desto stressfreier und erfolgreicher wird in der Regel auch Dein weiterer Studienverlauf sein.

4. Warum ist ein Examensplan (Lernplan) so wichtig?

Die Grundlage einer erfolgreichen und möglichst stressfreien Examensvorbereitung ist ein klar strukturierter Lernplan über den gesamten Vorbereitungszeitraum.

Gerade beim Freiversuch steht Dir häufig weniger Zeit zur Verfügung als den meisten anderen Examenskandidaten, die oftmals 12 bis 18 Monate für ihre Vorbereitung einplanen.

Das bedeutet jedoch keineswegs, dass ein erfolgreicher Freischuss deshalb unrealistisch wäre. Mit einem guten Vorwissen, einer effizienten Lernstrategie und einer konsequenten Vorbereitung kann auch eine Examensvorbereitung innerhalb von lediglich 6 bis 9 Monaten absolut ausreichen.

Wichtig ist allerdings, dass Du in dieser kürzeren Vorbereitungszeit nicht in blinden Aktionismus verfällst. Gerade beim Freiversuch kommt es entscheidend darauf an, effizient und klausurorientiert zu lernen. Wer strukturiert arbeitet, Prioritäten richtig setzt und den Fokus konsequent auf examensrelevante Inhalte legt, kann auch in vergleichsweise kurzer Zeit ein sehr gutes Examen schreiben.

Sehr gerne helfen Dir unsere Dozenten, von denen zahlreiche sogar über Prüfererfahrung verfügen, im Einzelunterricht dabei, Deinen individuellen Lernplan für Deinen Freiversuch zu erstellen.

5. Lernmethoden & Umfeld

“Die Examensvorbereitung ist ein ganzheitlicher Prozess.”

Bevor wir uns weiter inhaltlich mit Fragen wie Lernmaterialien und Klausurpraxis beschäftigen, lohnt es sich, noch einmal einen Schritt zurückzugehen.

Die Examensvorbereitung ist ein ganzheitlicher Prozess. Du musst nicht nur innerhalb von zwei Wochen zeigen, dass Du das gesamte Wissen aus über vier Jahren Studium auf konkrete (oftmals sogar unbekannte) Sachverhalte anwenden kannst, sondern Du musst dazu auch mental und körperlich in der Lage sein.

Die Examensvorbereitung ist kein Sprint, sondern ein Marathon. Dabei muss man sehen, dass man nicht kurz vor den Examensklausuren völlig ausgelaugt ist, sondern diese mit ausreichend mentalen und körperlichen Leistungsreserven angeht.

a) Lernmethoden

In der Examensvorbereitung der Rechtswissenschaft reicht es nicht aus, einfach nur viel zu lernen – entscheidend ist vor allem, wie gelernt wird.

Wissenschaftlich fundierte Lernmethoden helfen dabei, die enorme Stoffmenge effizient zu bewältigen und die Konzentrationsfähigkeit über lange Zeit aufrechtzuerhalten.

Methoden wie die Pomodoro-Technik oder Spaced Repetition basieren auf Erkenntnissen der Lernpsychologie und nutzen gezielt Zeitmanagement und Wiederholungsintervalle, um das Gedächtnis optimal zu unterstützen.

Dadurch wird nicht nur kurzfristiges Auswendiglernen gefördert, sondern vor allem langfristiges Behalten und Verstehen.

Gerade in der intensiven Examensphase sorgen strukturierte Lernmethoden dafür, dass Lernzeiten produktiver genutzt werden und Überforderung vermieden wird.

Wer seine Lernstrategie bewusst gestaltet, kann Stress reduzieren und gleichzeitig die Qualität des Lernens deutlich steigern. So wird aus „Zeit am Schreibtisch verbringen“ ein effektiver und planbarer Lernprozess.

Lernmethoden Jura

b) Behalte Dein Ziel im Auge!

“Die Examensvorbereitung ist ein Vollzeitjob.”

Dir muss bewusst sein, dass die nächste Zeit die Vorbereitung Deines Freiversuches im Mittelpunkt stehen muss, wenn Du Erfolg haben möchtest.

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass das nicht immer leicht ist. Im Sommer ist es schöner am See oder am Meer als in der juristischen Bibliothek. Im Winter sind Weihnachtsmarkt und Skifahren interessanter. Es gibt 100 Dinge, die jeder lieber machen würde als Lernen.

Aber sei Dir bewusst, dass sich eine gute Fokussierung auf die Examensvorbereitung am Ende auszahlt: Mit einem erfolgreichen Examen, vielleicht sogar mit einem Prädikat, legst Du den Grundstein für die nächsten Jahrzehnte Deines Berufslebens. Da lohnt es sich, mal ein paar Monate, was die Freizeit anbelangt, kürzerzutreten.

Hier sind einige Tipps, wie Du Ablenkungen während Deiner Vorbereitung vermeiden kannst:

c) Unterstützung durch Freunde und Familie

Die Unterstützung durch Freunde und Familie spielt in der Examensvorbereitung der Rechtswissenschaft eine zentrale Rolle.

Die Vorbereitung ist oft lang, intensiv und psychisch belastend, weshalb ein stabiles soziales Umfeld entscheidend zur Stressbewältigung beiträgt. Freunde und Familie können emotionalen Rückhalt geben, Motivation stärken und in schwierigen Phasen Stabilität vermitteln. Gleichzeitig helfen sie dabei, einen Ausgleich zum Lernen zu schaffen, und verhindern soziale Isolation. Schon kleine Dinge wie Verständnis für Lernzeiten oder gemeinsame Pausen können die Belastung spürbar reduzieren.

Ein unterstützendes Umfeld trägt damit wesentlich dazu bei, Durchhaltevermögen, Konzentration und mentale Gesundheit während der gesamten Examensphase zu erhalten.

d) Stressbewältigung und Ausgleich in der Examensvorbereitung 

“Lerne nicht, bis der Arzt kommt!”

„Jura ist kein Studiengang, sondern eine Krankheit“ – so lauteten die Worte eines Arztes gegenüber einem guten Freund.

Ganz unrecht hatte er damit nicht, denn nicht nur das Studium der Rechtswissenschaft und das Referendariat, sondern auch das spätere juristische Berufsleben stellen hohe Anforderungen.

Nicht selten gehören auch körperliche Beschwerden, etwa Rückenschmerzen, zum Alltag.

Umso wichtiger ist es, sich nicht bis zur völligen Erschöpfung zu überlasten. Die Examensvorbereitung ist kein kurzer Sprint, sondern ein Marathon.

Du solltest Deine körperlichen und geistigen Ressourcen so einteilen, dass Du nicht kurz vor dem Examen an Deine Grenzen gerätst.

Deshalb ist es sinnvoll, sich bereits vor der intensiven Vorbereitungsphase mit geeigneten Stressbewältigungsstrategien auseinanderzusetzen. Je nach Persönlichkeit können dabei Sport, Musik oder Meditation hilfreiche Ausgleichsmöglichkeiten sein.

Ebenso wichtig sind bewusste „jurafreie“ Zeiten, die der Erholung und mentalen Regeneration dienen. In diesen Phasen solltest Du aktiv abschalten und vermeiden, zusätzlichen Freizeitstress aufzubauen. Intensiver Leistungssport unmittelbar vor dem Examen ist dabei beispielsweise eher kontraproduktiv.

6. Die richtigen Lernmaterialien entscheiden: Skripte und Examensklausuren

Die Examensvorbereitung ist kein Stoffproblem. Sie ist ein Umsetzungsproblem.

Viele Kandidaten lernen viel, schreiben aber trotzdem keine guten Klausuren. Woran liegt dies?

Fachlich fundierte Lernmaterialien gibt es viele, nur gelingt es vielen Jurastudierenden nicht, die für sie individuell richtigen zu finden. Das gilt vor allem im Hinblick darauf, dass das Staatsexamen keine reine Wissens-, sondern eine Anwendungsprüfung ist.

a) Meine empfohlenen Lernmaterialien auf einen Blick

b) Juristisches Wissen erlernen

Gerade, wenn man für die Examensvorbereitung weniger Zeit hat als der Durchschnitt, ist es umso wichtiger, auf die „richtigen Pferde“ zu setzen.

Damit scheiden Lehrbücher schon aus Zeitgründen aus.

Aber auch aus didaktischer Sicht sind diese nicht zu empfehlen, da sie in der Regel nicht klausurorientiert (sondern wissenschaftlich) aufgebaut sind.

Daher solltest Du auf prägnante Skripte setzen. Denn diese sind nicht „wissenschaftlich“, sondern enthalten genau das, was Du für Deine Klausur benötigst.

Um möglichst viele Sinne beim Lernen anzusprechen (was nach wissenschaftlichen Studien den Lernerfolg deutlich erhöht), kannst Du auch anschauliche Jura Lernvideos (z.B. bei uns im Kraatz Club mit über 1000 Lernvideos) nutzen.

c) Wissen anwenden: Klausurkompetenz ist entscheidend

Wissen allein reicht nicht – Klausurkompetenz entscheidet.

Die Klausurkompetenz entscheidet später über den Erfolg im Staatsexamen.

Die zweite Säule einer guten Examensvorbereitung ist daher die Klausurpraxis. Das ausreichende Schreiben von Übungsklausuren ist absolut elementar.

Denn mache Dir Folgendes bewusst: Im Staatsexamen geht es nicht darum, lediglich Wissen zu reproduzieren, wie bei einem Multiple-Choice-Test. Vielmehr musst Du das erlernte juristische Wissen auf einen unbekannten Sachverhalt anwenden.

Dies lernst Du nur, indem Du möglichst viele Übungsklausuren auf Examensniveau schreibst (und diese Dir dann von einem qualifizierten Juristen anschließend korrigieren lässt). Die Klausurpraxis ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Examensvorbereitung.

Das Klausurenschreiben lernst Du aber nicht allein mit Skripten, egal wie gut und klausurorientiert diese sind. Unverzichtbare Fähigkeiten wie Schwerpunktsetzung, Zeitmanagement und Klausurtaktik lernst Du nur anhand von examenstypischen Fällen und Übungsklausuren. Daher sollte die Arbeit am praktischen Fall im Mittelpunkt Deiner Examensvorbereitung stehen.

Die Erfahrung zeigt, dass diejenigen Kandidaten, die am Ende die besten Noten geschrieben haben, sich nicht davor gescheut haben, wöchentlich mindestens eine fünfstündige Übungsklausur unter realen Bedingungen (kein Handy, kein Skript zum Nachschlagen usw.) zu schreiben.

Daran führt (leider) kein Weg vorbei. Das Klausurenschreiben macht keinen Spaß. Niemandem. Aber wer später Erfolg haben möchte, muss den harten Weg gehen.

Kraatz-Tipp: Schreibe spätestens ab Beginn Deiner Examensvorbereitung jede Woche eine fünfstündige Übungsklausur unter realen Bedingungen.

Denn das Staatsexamen prüft nicht nur Wissen, sondern vor allem Anwendung unter Zeitdruck.

Genau diese Klausurroutine ist einer der wichtigsten Unterschiede zwischen durchschnittlicher Vorbereitung und echter Examensreife.

d) Wiederholung

„Repetitio est mater studiorum“

Vor allem zum Wiederholen (kein Examensplan ohne Wiederholung!) eignen sich zudem auch selbst geschriebene Karteikarten.

Je mehr Lernkanäle Du aktivierst, desto eher gelangt das Gelernte ins Langzeitgedächtnis. Dabei sind auch Jura Lernvideos, wie sie unser Kraatz Club bietet, sehr hilfreich.

Wiederhole auch regelmäßig Deine bereits verfassten Übungsklausuren. Dies ist wichtig, um aus den Fehlern zu lernen und diese dann später im Examen nicht mehr zu machen.

7. Warum mentale Stärke kein Nebenthema ist: Der Erfolg fängt in Deinem Kopf an

Der Erfolg in der Examensvorbereitung beginnt in Deinem Kopf und hängt auch von Deiner inneren Einstellung und Deiner mentalen Stärke ab.

Die Examensvorbereitung ist kein Sprint, sondern ein Ultramarathon. Eine optimistische Grundhaltung hilft Dir dabei, diese zu überstehen.

Auch wenn Du einmal Rückschläge erlebst – was jedem in der Examensvorbereitung (mich eingeschlossen) passiert ist – hilft Dir Dein Mindset dabei, hieran zu wachsen.

Fehler sind nicht schlimm. Du musst Fehler machen. Fehler und auch Übungsklausuren mit 2–3 Punkten gehören zum Lernprozess dazu. Fehler, die Du jetzt machst, unterlaufen Dir im Examen nicht mehr.

Der Weg mag steinig sein, aber durch kontinuierliches Dranbleiben, Hartnäckigkeit und den Glauben an Dich selbst wirst Du am Ende erfolgreich sein.

Dieser essenzielle Punkt kommt in der klassischen Examensvorbereitung — sei es in der Großgruppe oder im Uni-Rep — häufig zu kurz.

Wir setzen auf individuelle Diagnose statt auf Massenlogik. Denn Examensvorbereitung ist mehr als reine Stoffwiederholung. Sie beginnt bei Dir: mit Deinen Stärken, Deinen Schwächen, Deinen Zielen und auch mit Deinen Ängsten. Deshalb entwickeln wir keine Standardlösung, sondern einen Weg, der zu Dir passt.

Lesetipp: Wenn Du aus erster Hand erfahren möchtest, wie ein Prädikatsjurist seine Examensvorbereitung sehr erfolgreich bewältigt hat, lies Dir gerne das Interview mit unserem Dozenten Thomas Bonerath durch: Prädikatsjurist – meine Jura Examensvorbereitung.

8. Nach den Klausuren: Die mündliche Prüfung nicht vergessen

Auch wenn es in diesem Artikel vorrangig um die Klausurvorbereitung geht, solltest Du von Anfang an im Blick haben, dass nachher noch eine mündliche Prüfung ansteht. 

Nach den Klausuren machen viele Kandidaten leider den Fehler, dass sie das Lernen quasi einstellen und die mündliche Prüfung nicht mehr ernst nehmen. Das ist höchst fahrlässig.

1. Warum ist die mündliche Prüfung in Jura so wichtig?

Die Bedeutung der mündlichen Prüfung darf nicht unterschätzt werden. Diese zählt je nach Bundesland bis zu 40 % der Gesamtnote!

Viele Examenskandidatinnen und -kandidaten können hier ihren Gesamtschnitt noch einmal erheblich verbessern.

Als besonders hilfreich haben sich Prüfungssimulationen (wie die Akademie Kraatz sie anbietet) erwiesen, da sie gezielt auf den freien Vortrag und das spontane Formulieren in der Prüfungssituation vorbereiten.

Ebenso kann es sinnvoll sein, sich im Vorfeld bestimmte Redewendungen oder Satzanfänge zurechtzulegen, um sprachliche Sicherheit zu gewinnen. Dadurch entsteht eine gewisse Routine, sodass die Aufmerksamkeit in der Prüfung stärker auf den juristischen Inhalt gerichtet werden kann.

Weiterhin kann der Besuch einer mündlichen Prüfung aus einer früheren Kampagne wertvolle Einblicke geben und helfen, sich mit dem Ablauf eines Prüfungsgesprächs vertraut zu machen.

Sieh Dir auch gerne unsere Simulation einer kompletten mündlichen Prüfung im 1. Staatsexamen im Kraatz Club an.

Lesetipp zur Vorbereitung: Tipps echter Prüfer für die mündliche Prüfung

9. Wenn Du Deinen Erfolg nicht dem Zufall überlassen willst

Am Ende entscheidet nicht, wie viel Du abstrakt gelernt hast, sondern wie sicher Du Dein Wissen in der konkreten Klausursituation anwenden kannst. Genau deshalb beginnt gute Examensvorbereitung immer mit einer individuellen Diagnose: Wo stehst Du, was hält Dich zurück und welcher Weg bringt Dich wirklich zum Erfolg?

Die besten Chancen auf einen erfolgreichen Freiversuch hast Du mit erfahrenen Dozenten an Deiner Seite, die Dir diesen Weg aufzeigen und Dich vom ersten Schritt bis zum Prädikatsexamen begleiten.

Unsere Dozenten sind nicht nur allesamt Prädikatsjuristinnen und -juristen, sondern verfügen teilweise sogar über Prüfererfahrung am JPA.

Aus diesem Grund folgt unsere Vorbereitung einem klaren Verständnis moderner Examensvorbereitung:

  • Das Examen ist keine reine Wissensprüfung.
  • Fleiß allein reicht nicht.
  • Klausurkompetenz ist trainierbar.
  • Mentale Stabilität ist Teil der Vorbereitung.
  • Individuelle Diagnose ist besser als Massenunterricht.
  • Prädikat entsteht durch System, nicht durch Zufall.

Egal, ob in der Kleingruppe oder im Einzelunterricht – unser Ziel ist Dein Prädikatsexamen.

Buche jetzt Dein kostenloses Beratungsgespräch. Wir freuen uns auf Dich.

Ich hoffe, dass ich Dir mit diesem Beitrag auf Deinem Weg zum Freischuss helfen konnte! 

RA Mario Kraatz

Gründer und Geschäftsführer der Kraatz Group

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Unsere Unterrichtsangebote

Wir hoffen, Dir für Dein Studium oder Dein Referendariat hilfreiche Inhalte (Content) bereitgestellt zu haben. Wenn auch Du Dir auf dem Weg hin zum 1. Staatsexamen und dem 2. Staatsexamen den entscheidenden “Kick” nach vorne geben möchtest, informiere Dich hier gerne weiterführend über unsere Angebote.

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